Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-935758
466 
Miniaturmalerei. 
benbehandlung und die Zeichnung der Initialen hat noch im 
Wesentlichen den Charakter der karolingischeil Kunst, aber 
die Figuren der Evangelisten verrathen die Nachahmung 
altchristlicher Typen und das Bestreben nach einer sie 
übertreffenden Grossartigkeit. Ihre Thierzeicheil sind noch 
strenge und einfach, fast heraldisch; der Engel des Matheus 
mit bräunlicher, kräftiger Carnation hat sogar einen recht 
gelungenen Ausdruck. Die schreibenden Heiligen, alle vor 
einem an zwei Säulen befestigten Vorhange, der stets in 
anderer Weise geöffnet ist, sitzend, sind sämmtlich bewegt 
gehalten und in verschiedenen Wendungen, die bei den 
beiden ersten Evangelisten und bei Johannes noch erträg- 
lich sind. Bei Lucas dagegen hat der Maler etwas Aus- 
serordentliches leisten wollen; er zeigt ihn gleichsam in 
Verzückung, im Profil, mit zurückgelegtem Kopfe, das 
übergrosse, dieser Richtung des Hauptes nicht entsprechend 
gestellte Auge gen Himmel gehoben, der ganze Körper ist 
aber durch diese ungewöhnliche Haltung so verrenkt, selbst 
die Linie, Welche er bildet, so unschön gebrochen, dass 
das Bild den widerlichsten Eindruck macht, den die Wahl 
von blauen, grünen und violetten Farbentöneil, die am 
Hintergrunde und im Gewande angebracht sind, noch ver- 
stärkt. Und doch muss gerade diese Behandlung Beifall 
gefunden haben, da in einem späteren, seiner Behandlung 
nach dem Ende des elften Jahrhunderts angehörigen Evan- 
geliarium , das die Malereien des ersterwähnten Codex 
mit einigen Abweichungen copirt, gerade dieser Lucas ge- 
nau wiedergegeben ist, während die anderen Evangelisten 
kleine Veränderungen erlitten haben. 
i) M. p. theoL. quart. Nro. 4. der Unim-Bibl. zu Würzburg. Die 
Farben haben hier nicht mehr die Schönheit und Intensivität, wie in 
dem erst erwähnten Codex, die Initialen nicht mehr den karolingischen 
Schwung der Linie, ein hinzugefügtes Bild der Verkündigung ist mehr by- 
zantinisirend und der sogleich zu erwähnenrlen Bamberger Schule verwandt.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.