Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-935621
Plastik 
und 
Malerei 
der 
nördlichen 
Länder. 
453 
nachstellen und erst später zur Reife gelangten. Allein 
dennoch sind sie beachtenswerther, als man gewöhnlich 
annimmt. Man pflegt gerade diese Epoche, namentlich bis 
zum Jahre 1050, als die Zeit des tiefsten Verfalles der 
Kunst zu bezeichnen, und in der 'l'hat stehen sie, wenn 
man auf das Verständniss der Natur als eine nothwendige 
Voraussetzung der darstellenden Künste sieht, im Ganzen 
auf einer überaus niedrigen Stufe, tiefer selbst, als die 
karolingische Zeit. Die natürlichen Formen erscheinen bald 
in rohester Auffassung, bald in unangenehmer und belei- 
digender Entstellung, manchmal sogar mit einer Auffas- 
sung, welche fast absichtlich sich von der Wahrheit zu 
entfernen und ein nur entfernt ähnliches, Willkürliches 
Schema an ihre Stelle zu setzen scheint. Die meisten un- 
SGFGY 
Kunstfreunde 
und 
selbst 
Künstler , 
Welche, 
der 
Rich- 
tung unserer Zeit gemäss, die natürliche Wahrheit fast bis 
zum Vergessen der höheren stylistischen Rücksichten zu 
schätzen gewohnt sind, vermögen daher diesen Leistungen 
kein Interesse abzugewimien, und können sie als unbe- 
greifliche Verirrungen eines rohen oder verschrobenen Sin- 
nes nur mit Gleichgültigkeit betrachten. Allein dennoch 
muss man anerkennen, dass auch dieser scheinbare Verfall 
ein nothwendiger Durchgang war, (lass er, wie sich im 
Einzelnen sehr vollständig ilachweisen lässt, nicht auf Un- 
fähigkeit des Auges und der Hand, sondern auf tieferen 
Gründen beruhte. uml die Erlangung eines besseren Styles 
vorbereitete. Um dies zu zeigen, muss ich indessen einige 
allgemeinere Bemerkungen vorausschicken. 
Unsere Zeitgenossen glauben gewöhnlich, dass es zum 
ltlrkennexi der Natur nur des physischen Auges bedürfe, 
dass daher ein Mangel an solcher Erkenntniss auf einer 
verschuldeten Unempfänglichkeit, ein Mangel der Darstel- 
lung auf einer Vernachlässigung oder Unfähigkeit beruhe.
        

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