Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-935584
lhr 
Verhältniss 
Zllf 
englischen 
Architektur. 
449 
lein jedenfalls kam dann diesem ausländischen Formenspiel 
ein einheimisches Element fördernd entgegen. Diese ge- 
heimnissvoll verschlungenen Linien, welche sich, wie Wol- 
kenbildungen in der Phantasie des Beschauers, in drohende 
Thiergestalteil verwandeln, entsprechen offenbar der Nei- 
gung für das Schauerliche, Räthselhafte, Dunkele, welche 
wir bei allen germanischen Völkern Wahrnehmen, die aber 
nirgends so bedeutsam und grandios auftritt, als in der 
scandinavischen Göttersage. Sie sind mit den Bandver- 
schlingungeil auf den Kapitälen deutscher Bauten, mit den 
geradlinigen Mustern der Normandie, mit den grottesken 
Gestalten aller Art verwandt, die sich bald aus Architek- 
turformen entwickeln, bald aus dem Blattwerk hervordrän- 
gen, und die wir im früheren Mittelalter bei allen germa- 
nischen Stämmen finden, bis nach Italien hinein und bis 
dahin, wo ihnen das Verwalten antiker Reminiscenzen und 
das Element südlicher Klarheit eine fifällle setzte. Dass 
die irischer] Ornamente (licsenl germanischen Gefühle zu- 
sagten, zeigt sich auch darin , dass sie in die Fränkische 
Miniaturmalerei übergingen. VVir sehen daraus, dass, un- 
geachtet der V erschiedenheit des keltischen Stammes von 
dem germanischen. eine ähnliche Anschauungsweise bei 
beiden herrschte und über den ganzen Norden verbreitet 
utar, welche sich nur nach der ilationalen Verschiedenheit 
der einzelnen Gegenden gesondert gestaltet. Jene irischen 
Baiidverschlixigungen sind nun eben eine dieser besonderen 
Gestaltungen, bei der aber unsere Kenntniss nicht ausreicht, 
um zu bestimmen, 0b sie in Irland ihren ausschliessliehen 
Ursprung hatte, oder an mehreren Orten selbstständig auf'- 
gekommen ist. Der sprödere Geist der scandiiravischen 
Dichtung und die abweichende Bildung des Ornamentes 
bei den französischen Normannen lassen indess vermnthen, 
dass 
IV. 
diese 
2. 
weicheren 
Formen 
nicht 
in 
Norwegen 
29 
ent-
        

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