Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-931344
Erwachen 
des 
ritterlichen 
Geistes. 
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und zukünftiger Veränderungen versetzte die Welt in eine 
Spannung und Aufregung, welche allen Erzeugnissen einen 
eigenthiimlichen Charakterzug verleihet. 
Vorzüglich gilt dies von den romanischen Ländern. 
Deutschland war von diesem neuen Geiste weniger ergriffen; 
es hatte unter den Ottonen eine grosse Periode des Er- 
wachens und Schnellen Erblühens so eben dmchlebt und 
hing an dieser Vergangenheit. Ungeachtet des harten 
Kampfes gegen die Hierarchie hatte das Königthunl hier 
noch immer eine hohe Bedeutung. Es konnte augenblick- 
lich erliegen, aber es blieb dem Begriffe nach bestehen, 
hob sich von Zeit zu Zeit wieder in ganzer Grösse, wurde 
angerufen und vorausgesetzt, griff an den entferntesten! 
Stellen des grossen Reiches ein. VVie auch die einzelnen 
Glieder des Volkes denken, ob sie mehr für die Kirche oder 
für die Sache des Kaisers eifern mochten, stets hatten sie 
das Bild einer grossen Einheit vor Augen. Selbst der 
Kampf zwischen beiden Mächten, selbst das Leiden und 
die Schmach der Kaiser oder der Päpste gab ein g-ross- 
artiges, tragisches Schauspiel, neben dem die Leiden und 
Freuden der Liebe oder des ritterlichen Lebens kleinlich er- 
scheinen müssten. .Auch war das Ritterleben hier in der 
That 
noch 
theils 
ZU 
roh 
theils 
ZU 
schlicht , 
V01] 
der 
Pflicht 
der 
um 
das 
Römerzüge und anderer Lehnsdienste zu sehr erfüllt, 
poetische Eindrücke zu geben. Besonders aber stand 
Verhältniss der deutschen Nation zur Kirche der ro- 
mailtischen Auffassung des ritterlichen Berufs entgegen. 
Bei dem immer Wieder entbrennenden Kampfe des Kaiser- 
thnms mit der Kirche musste jeder Einzelne für oder wider 
Partei ergreifen, eine Mischung geistlicher und weltlicher 
Elemente, wie sie dem Rittertlnnne Zlllll Grunde lag, konnte 
hier nicht gedeihen. Dagegen zeigten die Städte dasselbe 
Preiheitsslreben wie in Idrankreiclr, und die Finster] in'-
        

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