Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-935518
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Norwegen. 
Wenn aber hiernach der Bau des Eystein nicht das 
freie und selbstständige Erzeugniss des einheimischen Gei- 
stes ist, sondern den Einfluss der englisch-normannischen 
Architektur zeigt, so hat er doch sehr anerkennenswerthe 
Eigenthümlichkeiten. Dahin gehört namentlich die Aus- 
stattung der Aussenwände mit durch Ecksäulcheil begränz- 
ten Pilastern und mit grossen, dieselben verbindenden 
Blendarcaden. Diese sehr organische und gefällige Anord- 
nung ist den englischen Bauten fremd, und erinnert eher 
an deutsche Auffassung, namentlich an die in Deutschland 
aber nur im Inneren vorkommende Verbindung der Pfeiler 
bei dazwischen stehenden Säulen durch grössere Bögen, 
welche wir in der Kathedrale von Lund wiedergefunden 
haben. Wir sehen daher hier die englische Architektur 
mit einer anderen, dem deutschen Geiste entsprechenden 
Sinnesweise behandelt, deren völlige Entwickelung in ar- 
chitektonischer Beziehung vielleicht nur durch die Armnth 
und Kleinheit des Landes verhindert wurde. 
Von 
den 
Wenigen 
anderen 
romanischen 
Bauten 
in Nor- 
ist nichts als eine völlig unerwiesene Voraussetzung. Die bereits oben 
erwähnte Stelle des Snorro (Minutoli S. 29) spricht nämlich bloss von 
dem Abbrechen jener Marienkirche durch Eystein; dass dies nur ein 
theilweises gewesen und er einzelne Theile derselben in seinen Bau auf- 
genommen, ist nirgends gesagt. Noch weniger haben wir irgend einen 
Beweis dafür, dass die von Eystein aufgenommenen Theile gerade im 
Kreuzschiffe liegen. Wie es scheint, legt Herr v. Minutoli die Angaben 
der Beschreiber des Doms, Schöning (1762) und Schwach (1836) zum 
Grunde, ohne zu untersuchen, 0b sie blosse Vermuthungen aufstellen 
oder ältere Quellen haben. Es wäre wenigstens zu wünschen gewesen, 
dass die betreffenden Stellen des Theodoricus monachus, eines Zeitge- 
nossen Eysteins, und des Snorro Sturleson (1230) der Untersuchung 
vorausgeschickt, und von den Hypothesen jener neueren Schriftsteller 
gesondert wären. Enthalten diese älteren Schriftsteller nicht mehr als 
die gelegentlich mitgetheilten Stellen und haben Schöning und Schwach 
nicht andere Urkunden citirt, so fehlt jeder Grund für die Annahme, 
dass wir noch Theila der Marienkirche des Harald Harderaade besitzen.
        

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