Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-931320
Die 
romanischen 
Länder. 
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bald nachher entstanden Konflikte zwischen der geistlichen 
und weltlichen Macht, wie dort. Aber sie berührten nicht 
die Wurzeln königlicher und päpstlicher Rechte, es waren 
nur einzehie, oft ganz persönliche Fälle, bei welchen man 
ohne weitere Folgen nachgeben oder sich vergleichen konnte. 
Auch zeigte sich schon bei diesen Streitigkeiten die Geist- 
lichkeit oft auf der Seite der Fürsten. Gerade die grössere 
Spaltinig des Landes bewahrte es vor der Gefahr des 
Weltumfassenilen Kampfes, der Italien Lnid Deutschland 
verheerte. Die einige Kirche fand nicht Einen Gegner, 
dessen Machtanwuchs sie ffu-chten, gegen den sie kämpfen 
konnte, sie zersplitterte ihre Kräfte an Vielen, war mehr 
auf individuelle und folglich moralische, als auf allgemeine, 
rechtliche Einwirkungen angewiesen, hatte aber in jenen 
durch die grössere Bildimg und Zugänglichkeit der Laien 
auch bessere Erfolge. Kirchliche inid weltliche Elemente 
versclunolzen, und es bildeten sich Erscheinungen, in denen 
jener Kampf ausgeglichen oder seine Gewalt dinch Mittel- 
glieder gebrochen War. 
Dahin gehörte zunächst das Ritterthum. Frankreich 
war seine Wiege; um die Mitte des elften Jalnhunderts 
kommt der Gottesfriede, der erste Gedanke eines gemäs- 
sigten, nicht lmchristlichen Waffengebrauches auf; bald 
darauf findet sich auch schon die Spur von Turnieren, von 
einer Gemeinsamkeit, welche die Nothwendigkeit herbei- 
führte, auf die sittliche Haltung der Standesgenossen zu 
achten und selbst für eine angemessene Erziehung derselben 
zu sorgen. Der ritterliche Unternehmungsgeist war also 
mit religiösen und moralischen Rücksichten in Verbindung 
gebracht, fand in ihnen einen Gegenstand erlaubter Begei- 
sterung und konnte sich, ohne auf Selbstständigkeit und 
weltliche Freiheit zu verzichten, in Thaten und Aufopfe- 
rungen zu Ehren Gottes und seiner Heiligen auslassen.
        

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