Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-935341
Uebergüllg 
zum 
normannisch- engl. 
Style. 
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in irischen Bauten vorgekommen Waren , und die mit den 
gewundenen Kannelluren oder Zickzackverzierungen ihrer 
Stämme genaue verkleinerte Copien von englischen Säulen 
dieser Art, etwa aus der Kathedrale von Durham, sind. 
Doch mag hier die persönliche Neigung des Bauherrn oder 
Baumeisters das engere Anschliessen an die englisch-nor- 
mannische Architektur bewirkt haben, denn in der wahr- 
scheinlich von 1128 bis 1150 erbauten Kathedrale von 
Tuam sind die Kapitäle noch vierkantig und mit Band- 
verschlingungen verziert, die sich an zwei Kapitälen sogar 
zu breitgezerrten menschlichen Gesichtern gestalten. 
Auch in diesen späteren Bauten gleichen die Dimen- 
sionen und der Grundplan denen der älteren einheimischen 
Kirchen; Schiff und Chor sind einfache Parallelogramme 
ohne SeitenschiHe de). Nur an der Cormacs-Kapelle ist 
eine Kreuzgestalt erlangt, aber nur im Aeusseren und zwar 
dadurch, dass am Ostende des Schiffes auf jeder Seite ein 
viereckiger Thnrm angebaut ist. Die runde Form und die 
isolirte Stellung der Thürme sind also hier aufgegeben, 
nicht aber der gerade Chorschluss. 
Die Vergleichung dieser Bauten mit den englischen 
giebt uns einige Auskunft über die Geschmacksrichtung 
des keltischen Stammes. Wir finden zunächst den geraden 
Chorschluss ausschliesslich angewendet, und sind dadurch 
zu der Vermuthung berechtigt, dass die Vorliebe für diese 
einfache und spröde Form in England auf einer altkelti- 
sehen, bei der Einführung des Christenthums entstandenen 
Gewohnheit beruhete, welche auf die Sachsen übergegangen 
War, nach der Eroberung anfangs durch die von den Nor- 
mannen eingeführte Apsis verdrängt wurde, dann aber, 
k] Eine Eigenthümlichkeit der letztgenannten und späterer iri- 
scher Kirchen ist, dass sie über dem Gewölbe der Kirche einen grossen 
Saal und kleinere Gemächer haben.
        

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