Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-935172
.408 
Englisch-normannischer 
Styl. 
Der 
Charakter 
dieser 
normannischen 
Architektur besteht 
daher in der Verbindung abstracter, bedeutungsloser Grund- 
formen mit einer phantastischen Decoration. Ein festes 
organisches Princip, aus dem sich die Ornamente mit 
Nothwendigkeit entwickeln, fehlt ihr daher, das Plumpe 
und Schwere gränzt unmittelbar an das Reiche und Bunte. 
Allein dieser Mangel wird deshalb weniger fühlbar, er ist 
sogar die Quelle gewisser Vorzüge dieses Styles, weil er 
auf nationalen Elementen beruht, und denselben eine völlig 
freie Entwickelung gestattete. Nicht beschränkt und nicht 
befriedigt durch die Consequenz eines constructiven Prin- 
cips, bildete sich die Phantasie eine Symbolik der Formen, 
in welcher die nationalen Empfindungen und Zustände einen 
höchst energischen Ausdruck fanden. Die Baumeister woll- 
ten den kirchlichen Gebäuden den Charakter des Ernsten, 
Würdigen, Mächtigen geben, sie waren dabei theils an die 
Ausdrucksmittel gebunden, welche die Tradition und die 
Eigenthümlichkeit des Landes gewährten, theils von den 
Anschauungen beherrscht, welche die einheimischen Ver- 
hältnisse darboten. Sie schilderten daher das Wesen ihrer 
Machthaber und ihrer Kirche, so weit es in architektoni- 
schen Formen geschehen konnte. Da ihnen das weite Feld 
linearer Combinationen geöffnet War, lnld da die Wirkung 
derselben durch VViederholung geschwächt, durch Neuheit 
verstärkt werden konnte, so hatten sie die Möglichkeit und 
zugleich die Aufforderung zu mannigfaltigen Variationen. 
Aber die Gleichheit des Zweckes und der nationalen Ge- 
fühle gab ihnen eine überwiegende Uebereinstimmung und 
ihren Werken eine Einheit des Styles, die so entschieden 
ist, dass sie fast jedem Steine ihr Gepräge aufdrückt. 
Dieser Styl hat zwar die Elemente des romanischen mit 
den anderen Ländern gemein, entfernt sich aber doch mehr 
von den römischen Traditionen. In Deutschland erinnert
        

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