Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-931293
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Erste 
Epo ehe. 
Deutschlan d. 
Verwechselung der Gelehrten wurde , vermöge der Ueber- 
tragung der römischen Kaiserwürde auf die deutschen Kö- 
nige, praktisch. Diese Wurden dadurch in dem Glauben 
eines höheren, von oben verliehenen Rechtes bestärkt, traten 
mit Ansprüchen auf , welche sie nur vorübergehend und 
unvollkommen durchführen konnten, wendeten ihre Kraft 
entfernten Dingen zu imd vernachlässigten das Heimische 
und Nahel Es bildete sich dadurch im deutschen Volke 
eine Scheidung der 'l'he0rie und des Lebens, Welche noch 
bis auf unsere Tage nachwirkend ist. Der Begriff der 
kaiserlichen Gewalt und der Einheit des Reiches wurde der 
Nation tief eingeprägt, Wälnend im Leben manches Wi- 
derstrebende bestehen blieb oder sich ausbildete. Unter der 
kräftigen und klugen Regierung der ersten salischeil Kaiser 
stieg die königliche Gewalt noch immer , aber gerade 'die 
hierauf gegründete Steigerung der Ansprüche brachte schon 
ihre nächsten Nachfolger zum Falle, und die Vortheile jener 
klassischen Richtmig verblieben ausschliesslich der Kirche. 
Die logische und juristische Präzision der lateinischen 
Sprache sagte ihrer strengen Gesetzlichkeit zu , und die 
Bildung gab den gelehrten Geistlichen ein entschiedenes 
Uebergewicht über die Laien. Diese dagegen, kaum noch 
aus dem Zustande ursprünglicher Rohheit hervorgegangen, 
Wurden durch den Klang der fremden Sprache und (illfßil 
den grösseren Umfang der Schulwissenschaften mehr und 
mehr zurückgeschreckt; sie verliessen daher den von Karl 
d. Gr. und den sächsischen Fürsten eingeschlagenen Weg, 
und die Trägheit der Standesgenossen machte bald die Un- 
wissenheit zur Ehrensache  Indem aber die Laien auf 
1') Wippo klagt die deutschen Laien im Gegensatze gegen die 
besser unterrichteten Italiener ausdrücklich eines Vorurtheils an: „Solis 
Teutonicis vacuum vel turpe videtur, ut doceant aliquem, nisi clericus 
accipiaturf" (Panegyr. ad Henr. III. bei Canis. Lect. ant. II. p. 196.)
        

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