Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-931274
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Erste 
Epoche. 
Deutschland. 
Dramen, nach dem 
tete. Allein diese 
Vorbilde des leichtfertigen 'l'erenz, dich- 
Studien waren nicht eine blosse Mode 
des Hofes; sie wurden in den Klosterschulen mit solcher 
Gründlichkeit getrieben, dass anerkannterweise im elften 
Jahrhundert die deutsche Geistlichkeit den Vorzug grösserer 
Gelehrsamkeit vor deraller anderen Länder hatte. 
Es ist auf den ersten Blick auffallend, aber bei genauerer 
Betrachtung erklärbar, dass diese Studien hier besseren Er- 
folg hatten, als bei den romanischen Völkern. Diese sahen 
die lateinische Sprache als ein ererbtes Eigenthum an, auf 
das sie keinen grossen Werth legten und mit dem sie be- 
liebig schalteten. Die Deutschen dagegen hatten, vermöge 
der völligen Verschiedenheit ihrer Landessprache, keine 
Veranlassung, beide zu mischen, betrachteten die Latinität 
als Organ der Kirche und geistiger Ueberlegenheit mit 
Ehrfurcht, begriffen die Vorzüge des klassischen Styls, 
eigneten ihn sich mit Begeisterung an, hingen an diesem 
mühsam erworbenen Gute mit äusserster Liebe. Das 
brachte dann verschiedenartige Folgen hervor. Wir finden 
bei manchen Historikern des elften Jalnhunderts, bei Her- 
mann dem Lalnnen, Adam von Bremen und besonders bei 
Larnbert von Aschaffenburg eine Klarheit der Gedanken 
und des Vortrags, verständige, milde Urtheile und einen 
Weiten, ruhigen Ueberblick über die Verhältnisse, der uns 
zeigt, dass sie von ihren römischen Vorbildern nicht blos 
die Form klassischer Rede erlernt haben. Man darf nicht 
zweifehi, dass diese Fortschritte der Gelehrten auf die Na- 
tion im Ganzen zurückgewirkt, ihre Civilisation beschleu- 
nigt haben. Allein es war damit andererseits eine Ver- 
nachlässigung, ein Aufgeben vaterlänäscher Traditionen 
verbunden, Wie Wir es selbst bei den romanischen Nationen 
nicht finden. Die Sagen des keltischen Stammes im Norden 
Frankreichs und im Süden Brittaniens erhielten sich in la-
        

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