Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-934772
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Nordfrankreich. 
h. Angilbert  680] hat noch Säulen, die an römische 
Vorbilder erinnern. Auch die kleine Kirche St. Savinien 
bei Sens, die Grabkapelle eines uralten Friedhofs, ein- 
schiflig, aber mit Kreuzarmen und gerade geschlossenem Chor, 
erscheint sehr alterthümlich, wird aber doch ihre jetzige 
Gestalt erst im elften Jahrhundert erhalten haben. Sie ist 
mit spitzen Tonnengewölben bedeckt, von kleinen rundhe- 
gigen Fenstern erleuchtet, und hat am Chore zwei kurze 
Rundsäulen, deren niedrige Kapitäle mit sehr antiken Pal- 
metten geschmückt sind 95). Bedeutender ist die Kirche 
zu Vignory (Haute Marne, unfern Andelot), welche schon 
im Jahre 986 gegründet sein soll und jedenfalls auf eine 
nicht zu späte Zeit des elften Jahrhunderts deutet. Sie 
ist zunächst dadurch bemerkenswerth, dass sie einen Chor- 
umgang und drei radiante Kapellen hat, und mithin ein 
sehr frühes Beispiel dieser burgundischen Form gieht. Das 
Langhaus und das unausgebildete Kreuzschiff zeigen das 
offene Gebälk, aber die Chemische und ihre Kapellen sind 
mit Halbkuppeln und der Umgang so wie die zunächst 
anstossenden Felder der Seitenschiffe mit einem Tonnen- 
gewölbe gedeckt. Diese Gewölbe sind noch nach römi- 
scher Weise aus kleinen Steinen und einem Mörtelgnss 
gebildet, während die Arcaden und die rnndbogigen Fen- 
ster den Steinschnitt zeigen. Eine andere auffallende 
Anordnung ist die einer emporenartigen Architectur, wie 
sie in St. Etienne in Caen bestand, indem nämlich, ohne 
dass eine wirkliche Empore besteht, die Wand über den 
ü] An einer derselben ist in die Deckplatte eine Inschrift einge- 
hauen, die ich vollständiger zu lesen vermochte als der Berichterstatter 
im Bulletin du Comite historique Vol. III , p. 68. Sie lautet: Vir te- 
larus Baldninus et Petronilla uxor ejus, und ist als eine der frühesten 
Inschriften, die den Namen eines schlichten Bürgers (ich übersetze das 
Wort: Telarus durch Leinwandhändler) auf die Nachwelt bringen, be- 
merkenswerth.
        

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