Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-934501
Die 
Normannen. 
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Herzöge der Normandie, wie sich die Nachkommen Rollds 
nannten, schon mächtig genug, um die Ruhe aufrecht zu 
erhalten und an geordnete Benutzung ihres ererbten Eigen- 
thums zu denken. 
Die Berichterstatter aller Länder, Wo die Normannen 
auftraten, schildern sie als ein kluges, rüstiges Geschlecht, 
listig, zur Verstellung geneigt, gewandt in Schmeicheleien, 
von angeborener Beredsamkeit, habsüchtig, aber auch pracht- 
liebend und aus Stolz freigebig, leidenschaftlich und reizbar, 
aber auch ausdauernd, in den Anstrengungen des Krieges 
unermüdlich, und Wenn es nöthig war, zu jeder Entbehrung 
bereit Durch Gewohnheit verwildert und grausam, und 
wo ihre Begierde gereizt war, rücksichtslos, waren sie 
doch klug genug, um die Vortheile der Civilisation zu 
würdigen; in Sicilien wird von ihnen ausdrücklich bemerkt, 
dass sie nach fremden Sitten sorgfältig geforscht, um daran 
zu lernen im). Sie waren nicht, wie die Germanen der 
Völkerwanderung, in grossen Schaaren mit Weib und 
Kind gekommen, sondern als vereinzelte Abenteurer, die 
in der Ehe mit eingeborenen Frauen bald die Sitten ihrer 
neuen Heimath annahmen. Aber ihr rüstiger, unterneh- 
mender Geist vererbte sich auf ihre Söhne und gab der 
ganzen Gegend einen neuen kräftigen Ton. Der skandina- 
vische Stamm hält fast die Mitte zwischen dem deutschen 
und dem keltischen. Er theilt mit dem ersten die kriege- 
rischen Eigenschaften und jenes Gefühl der Sehnsucht, das 
in die Ferne treibt, unruhig undistrebsam macht. Aber er 
hat nicht den Zug des Gemüthlichen und Sinnenden, der 
die Deutschen zu Unbestimmtheit und Schwäche verleitet; 
a") Dies ungefähr die Schilderung, welche Gaufridus Malaterra 
(lib. 1, c. 3] am Ende des elften Jahrhunderts von ihnen giebt. 
H) Hugonis Falcandi hist. ap. Muratori Script V01. VII, p. 250. 
Aliorum quoque regum ac gentium consuetudirxes diligentissime fecit 
inquiri, ut quod in eis pulcherrimum aut utile videbatur, sibi t-ransumeret.
        

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