Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-931230
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Erste 
Epoche. 
Widerstrebens stellt sich auch bei ihren Dienern ein. Daher 
neben den vorherrschenden Zügen strenger, grossartiger, 
aber auch oft pedantischer Regelmässigkeit, so wie ernster 
kirchlicher Weihe auch ein Zug des Trüben und Elegischen. 
Man liebte sonst Wohl das Mittelalter im Ganzen mit dem 
Beiworte des finsteren zu bezeiclmen; so wenig es in 
den späteren Jahrhunderten diesen Namen verdient, für 
diese Anfangszeit ist er nicht unpassend. Denn allerdings 
 jene wohlthätige Klarheit der Civilisation, welche, gleich 
dem Tageslichte, den Zirsanlmenhailg von Ursachen und 
Wirkungen leicht erkennbar macht, den Ereignissen den 
rauschenden Schein des VVunderbaren entzieht und den 
Entschlüssen und Handlungen grössere Sicherheit giebt, 
fehlte diesen Jahrhunderten. Aber das Licht des Tages 
dringt nicht in die geheime Werkstätte der Natur, nicht 
in die inneren Falten des Herzens, und zerstreut uns dmch 
die Menge der Einzelheiten, während in der Dämmerung 
die ruhig grossen Massen des VVeltganzen anschaulich 
werden und das Gemüth zu andächtiger Beschauung an- 
regen. Auch die moralische Dälnnlcruirg dieser Jalnhun- 
derte war daher unzweifelhaft günstig, um die Gemüther- 
zu frommer Ergebung zu stimmen; nur in ihr konnte der 
riesenhafte Bau der Kirche in seiner wahren Grösse er- 
stehen. 
Die politischen Verhältnisse und der Bildungsgrad in 
den verschiedenen Ländern des Abendlandes Waren einander 
sehr ähnlich; die Kirche, indem sie das gesammte Abend- 
land mit einem Netze von geistlichen Anstalten überzog, 
mit gleicher Sprache, in gleichem Geiste überall wirkte, 
brachte eine noch grössere Uebereiilstimmimg hervor. Neben 
dieser Gleichheit in den Hauptsachen bestanden zwar un- 
zählige lokale Verschiedenheiten, die aber gerade durch ihre 
Menge ihre Bedeutung verloren, und als untergeordnete
        

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