Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-934411
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Aquitanien. 
gehören dem zwölften Jahrhundert an, einige, wie nament- 
lich die von Civray, schon der Frühzeit desselben, so dass 
man dies eigenthümliche Ueberwiegen des Plastischen als 
ursprünglich in dieser Gegend betrachten kann. Es brachte 
dem gothischen Style ein ihm zusagendes Element, die 
Vorliebe für eine reiche Mannigfaltigkeit, aber in solcher 
Weise entgegen, dass es erst gemässigt und geregelt wer- 
den musste.  In der Bretagne, welche, obgleich ihrer 
Lage nach zum Norden gehörig, ich hier erwähnen will, weil 
in ihr das keltische Element sich vorzugsweise erhalten 
hat, gehören fast alle mittelalterlichen Bauten dem spät go- 
thischen Style an; die wenigen romanischen Ueberreste, 
die man hier voriindet, wie die Kirche St. Gildas-de- 
Rhuys, welche einen Chor mit Umgang und drei Kapellen 
hat  die weiter unten zu erwähnende Rotunde zu Quim- 
perle und die Kirche zu St. Aubin de Guerande, de- 
ren Inneres ungeachtet der spätgothischen Umgestaltung 
des Aeusseren romanisch ist, sind überaus roh. Dazu 
mochte allerdings die Ilärte des Granits, der einzigen 
Steinart dieser Gegend, beitragen, aber der Mangel an ro- 
manischen Gebäuden beweist doch, dass die Blüthezeit die- 
ser rein keltischen Provinz erst spät eintrat, dass ihre Ent- 
wickelung lange zurückblieb. Bemerkenswerth ist nur, 
dass hier, wie in England, in den früheren Bauten die 
Rundsäule vorherrscht, und dass ungeachtet der Ilärte des 
Materials, Sculpturen, wenn auch überall rohe, hier wie 
im Poitou häufig und beliebt sind, ein Umstand, der uns 
in der Meinung bestärkt, dass beides dem keltischen Geiste 
zusagte und aus diesem Grunde in den verschiedenen 
Gegenden, wo er verwaltete, Anwendung fand. 
m] Inkersley a. a. O. p. 138 und 45. Die Bauzeit fällt in die Jahre 
1008  1038 und ein südfranzösischer Mönch war als Meister dorthin be- 
rufen. Wahrscheinlich ist indessen das jetzt vorhandene Gebäude neuer.
        

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