Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-934392
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Aquitanien. 
geheimnissvoller Sculptur bedeckt, die in gehäuften, hori- 
zontalen Abtheilungen zwischen den Arcaden kurzer, stark 
gezierter Säulenstämme, oder in besonderen, nach dem 
Zwecke einzelner Reliefs gebildeten Nischen und Medail- 
lons zusammengedrängt, die überkräftigen Gliederungen der 
Portale und Fenster umgiebt, und selbst die Archivolten 
bedeckt. Wenn an den späteren Portalen der gothischen 
Architektur die Höhlungen der Bögen zu Statuetten benutzt 
sind, die unter Baldachinen gleichsam geschützt stehen, 
müssen sich hier auch die menschlichen Gestalten der 
Krümmung gut oder übel fügen. Bei der [Tnverständlich- 
keit vieler Gestalten i?) und der wilden Verbindung mensch- 
licher und thierischer Formen macht diese Fagadensculptur 
den Eindruck eines phantastischen, schauerlichen Mährchens. 
,Es ist nicht unwahrscheinlich, dass äussere Gründe diesen 
Geschmack beförderten; der weiche Sandstein dieser Ge- 
gend bot sich zu plastischer Behandlung dar, und die nach 
dem Gebrauche des Südens thurmlose und breite Vorder- 
wand der fast gleichhohen Schiffe bildete eine der Verzie- 
rung bedürfende Fläche. Aber immer ist die Art der Be- 
nntznng dieser Umstände für die Richtung dieser Gegend 
bezeichnend. Wir erkennen darin die höchste Steigerung 
des phantastischen Elementes, das allen Ländern in dieser 
Epoche gemein war. Die Gestalten der antiken Mythologie 
e") Häufig, fast an den meisten bedeutenderen Facaden, kommt 
die Gestalt eines Reiters mit einer unter dem Pferde liegenden Figur 
vor, "dessen Deutung in den Verhandlungen der französischen Archäo- 
logen vielfach erörtert ist, indem einige darin die Darstellung des Lan- 
desherrn nach einem (vorausgesetzten) Lehnsgebrauche finden wollen, 
während Andere mit grösserer Wahrscheinlichkeit einen Heiligen (z. B. 
St. Martin) vermuthen. (Vgl. Bull. monum. VI, 335; XI, 497 ff.) 
Allerdings würde dann aber wohl nur die ritterliche Liebhaberei des 
Jahrhunderts die so oft wiederkehrende Gestalt erklären.  Beispiele 
solcher Reiterfignren finden sich an den Portalen von Civray, Parthe- 
nay-le-vieux, Airvault u. a.
        

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