Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-934327
Einfluss 
der 
Schule 
V01) 
Pärigueux. 
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den Kuppeln gleichen. In den englischen Kirchen dagegen 
sind die Kreuzgewölbe flacher, aber meistens, ausser den 
Diagonalrippen, mit vier Scheitelrippen versehen, also acht- 
theilig, was freilich bei dieser VVölbungsanlage nur eine 
Decoratioil ohne wesentlichen Nutzen für die Festigkeit des 
Gewölbes bildet. Diese englische Wölbungsart findet sich 
schon in dem von Heirlrich II. 1163 begonnenen Chöre 
der Kathedrale von Poitiers, und es ist nicht unmöglich, 
dass sie von dieser damals unter englischer Herrschaft ste- 
henden Gegend nach England selbst übergegangen ist. S0 
Ivürden sich beide Länder gewissermaassen in die Eigen- 
schaften jenes achttheiligen, rippenförmigen, kuppelähnlichen 
Gewölbes getheilt haben, und auch dem späteren gothischen 
Style noch eine Frucht aus der, durch die Episode von 
St. Front gegebenen Anregung erwachsen sein. Allein 
freilich ist dies mehr eine Ueberwindung und Aneignung 
jenes fremden Systems, als eine Unterwerfung unter dasselbe. 
Ileberhaupt erscheint aber auch hier, in dem einzigen 
Falle, WO erweislich byzantinische Formen durch italienische 
Vermittelung in Frankreich Eingang fanden, diese Einwir- 
kung als eine sehr schwache  Schon in St. Front selbst 
War nur die Construction, nicht die Decoration aus der 
Fremde entlehnt, und in den nächsten davon abstammenden 
Gebäuden blieb nur die Form der byzantinischen Kuppel 
und Violet-le-Duc in den Annales archeol. V01. VI, p. 194 nachge- 
wiesen haban und in der That der Augenschein lehrt. 
Ü Anderer Meinung ist Violet-le-Duc, der in seinem Aufsatze 
Part de batir en France in Cäsar Daly's Revue de l'Arch. V01. X die- 
ser byzantinisirenden Schule (deren Entstehung er freilich mit Felix 
de Verneilh in das zehnte Jahrhundert setzt) eine sehr grosse Wich- 
tigkeit beilegt, und ihr einen durch ganz Frankreich fortwirkenden An- 
stoss auf Ueberwölbung ganzer Kirchen zuschreibt. Wenn, wie es mir 
scheint, jenes frühe Datum von St. Front ganz unhaltbar ist, so fällt 
diese auch ohnehin mit der Baugeschichte des südlichen Frankreichs 
unvereinbare Hypothese in sich zusammen. 
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