Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-934236
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Aquitanien. 
gingen, fast einheimiseh geworden (man kennt hier zwölf 
bis dreizehn Kirchen dieser Art), und hat endlich mit 
Ueberspringung der sehr cigenthümlichen Provinz Poitou  
an der Gränze derselben, im Kloster Fontevrault im 
Anjou, noch eine vereinzelte, aus manchen Gründen sehr 
wichtige Nachahmung erhalten, so dass man im Ganzen 
etwa vierzig Kirchen dieser Gruppe aufzählt. Auch in 
Beziehung auf die Form der Kuppel selbst weichen diese 
Nachbildungen einigermaasserl von St. Front ab. VVäln-enrl 
die Steine der Kuppelbedeckung in der Kirche von Peri- 
gueux auf der VVölbung unmittelbar aufliegen und stufen- 
förmig aufsteigen, ist hier stets ein senkrechter Tambour 
gebildet, welcher die Bedeckung trägt, und der oft durch 
vier an den Enden des Kreuzes der Axe angebrachte Fen- 
ster durchbrochen ist. Die grossen Pfeiler, welche die 
Gurtgewülbe tragen, gleichen noch Weniger, als die von 
St. Front, dem venetianisehen Vorbilde, sie sind ohne un- 
tere Durchgänge, dafür aber weniger massenhaft; später 
auch mit I-lalbsäulen bekleidet und so den Pfeilern des ein- 
heimischen Styles ähnlicher geworden. Im Aeusseren sind 
die Wände nicht so sehmucklos, wie in St. Ifront, sondern 
durch Pilaster und Arcaden getheilt, so dass sie die Erin- 
nerung an die Arcadenstellung der "Pfeilerbasilika geben. 
Die Ornamentation endlich ist von aller Nachahmung von 
St. Front frei, Luid richtet sich in den verschiedenen Ge- 
genden nach der VVeise der jedesmaligen dortigen Schule. 
Eine Folge dieses Kuppelsystems war die Vereinfachung 
der Anlage; wie die Seitenschilfe stets fortblieben, verzich- 
 ü) Im Pnitou selbst finden sich keine Kuppelbauten, die von 
St. Front abstammen. S. Hilaire in Poitiers, eine übrigens grossen- 
theils zerstörte Kirche, scheint zwar Kuppeln gehabt zu haben, aber in 
ganz anderer Form, als in St. Front, ohne Zwickel und Gesims, wie 
sich ähnliche Kuppeln auch sonst auf romanisehem Boden finden 
F. de Verneilh a. a. O. S. 270.
        

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