Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-931206
Iilistorische 
Uebersicht. 
11 
sere Regelung des abendländischen Gemeinwesens, in Wel- 
ehem nun auch die anderen, aus germanischen und roma- 
nischen Elementen verschiedenartig gemischten Völker all- 
mälig zum Selbstgefühl gelangen und die ihnen a11gemes- 
sene Stelhmg suchen konnten. Die völlige Ausbildung des 
nationalen Elements gehört zwar erst der folgenden Epoche 
an, aber schon der erste Beginn dieser Gestalttuig, de1' mit 
dem Auftreten des deutschen Volks zusammenfällt, gab 
eine klarere Anschauung der Verhältnisse. 
Daraus ging auch die konsequentere Ausbildung der 
Hierarchie hervor. Unter der karolingischen WVeltmonarchie 
musste die sehutzbedürftige Kirche unterwürfig und als eine 
Staatsanstalt erscheinen. Den jungen, der Bildung und 
kirchlicher Leitung bedürftigen Nationen gegenüber lernte 
sie ihren Beruf und ihre Macht fühlen. Das Element der 
Einheit, die 'l'radition römischer Bildung, kam nur ihr 
allein zu Statten, während das germanische Element der 
Freiheit lllld Naturfrische den Völkern verblieb. 
Auf diesem Gegensatze beruhete die ganze Gestaltung 
der Zeit. In allen Beziehungen stand die Tradition mit 
ihrem christlichen Gehalte, mit den Ueberlieferungen und 
Anforderungen römischer Civilisation der begehrlichen Na- 
turkraft der Völker gegenüber. Es gingen daraus Ver- 
hältnisse hervor, die einigermaassen denen eines Kolonisten- 
staates gleichen, der nach den Gesetzen und Regehl des 
"Mutterlandes regiert wird, sich denselben halb widerstre- 
bend, halb mit ungeschickter Bereitwilligkeit tulterwirft. 
Hier kam dazu, dass das herrschende geistige Prinzip nicht 
von einem noch lebenden Volke getragen wurde, dass es 
viehnehr auf schriftlicher, oft unvollkommen verstandener 
Ueberliefenlng beruhete. Daher entstanden denn überall 
Konflikte zwischen dieser abstrakt aufgefassten und nur in 
den allgemeinen Beziehungen verstandenen Gesetzlichkeit
        

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