Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-934134
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Aquitanien. 
In den nördlichen Theilen der Guyenne, besonders im De- 
partement Dordogrle und einigen benachbarten Landstrichen, 
treffen wir nun aber auf eine Gruppe von etwa vierzig 
Kirchen ganz eigeuthümlicher Art, die sich von den übri- 
gen dieser Gegend, ja des gesammten Frankreichs, höchst 
wesentlich unterscheiden, deren Anblick an dieser Stelle 
höchst überraschend, deren Entstehungsgeschichte höchst 
räthselhaft ist. Sie sind nämlich alle, abgesehen von man- 
chen anderen damit zusammenhängenden Abweichungen von 
der gewöhnlichen Form, ganz oder doch grösstentheils mit 
Kuppeln gedeckt, und zwar mit Kuppeln byzantinischer 
Construction, wie man sie sonst diesseits der Alpen im 
Mittelalter nicht anwendete, also mit Halbkugeln, welche 
auf einem von vier, aus Kugelschnitten gebildeten Bogen- 
zwickehl getragenen Gesimse ruhen. Das Vorbild dieser 
Schule und die Mutterkirche der ganzen Gruppe ist unbe- 
zweifelt die Abteikirche St. Front zu Perigueux St]. Man 
erstaunt, wenn man schon beim ersten Anblick ein Gebäude 
entdeckt, das ganz orientalischen Eindruck macht, rund noch 
mehr, wenn man bei näherer Prüfung findet, dass es eine 
genaue und vollständige Nachahmung der Marcuskirche in 
Venedig, mit wenigen Abänderungen, ist. Der Plan ist 
nämlich der eines griechischen Kreuzes, zusammengesetzt 
Ord. S. Bened. ad. an. 1104 wird von diesem Ansquilinus, welcher 1091 
die Würde erlangte, erzählt: Hie majorem ecclesiae portam et claustrum 
ab se constructum praeclaris statuis ornavisse traditur. 
i") Felix de Verneilh, Parchitecture byzantine en France, Paris 
1851, mit vielen Abbildungen, giebt gründliche Untersuchungen und 
genaue Beschreibungen dieser ganzen Kirchengruppe und macht die 
älteren Werke über dieselben, namentlich das von Wigrin de Taillefer, 
Antiquites de Vesone (der alte Name von Perigueux] 1821, entbehrlich. 
 Wie der abgedruckte Grundriss andeutct, ist die halbkreisförmige 
Concha durch einen Chor im gothischen Style verdrängt. Sowohl in 
der äusseren Ansicht als in der perspeetivischcn Ansicht des Inneren 
geben die beigefügten Zeichnungen in dieser Beziehung eine Restauration.
        

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