Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-934015
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Burgund. 
Ornamentation hat diese Aenderinig indessen keinen Ein- 
fluss; sie ist überall dieselbe, sehr reich, aber auch sehr 
ernst. Die Basis der Säulen ist von ungleicher Höhe und 
wechselnder Form, aber immer ohne Eckblatt und fast 
immer auf dem Wulste mit Perlstäben oder Palmetten ver- 
ziert. Die Kapitäle sind sehr reich, alle verschieden, viele 
mit schreckenden, wunderbaren Gestalten, andere mit Blät- 
tern, Voluten, Flechtwerk ausgestattet. Die Scheidbögen 
sind eckig, von einem Rundstabe mit Palmetten eingefasst; 
die Glntbögen des Gewölbes aus verschiedellfarbigeii Stei- 
nen gebildet tmd gleichfalls von einem Rundstabe begränzt. 
Durch die ganze Perspective des Inneren herrscht die Hori- 
zontallinie vor. Die llalbSälliell des Mittelschiffs, welche 
bis zu den Gurtbögexi des Gewölbes aufsteigen und erst 
hier ihr Kapitäl haben, sind nämlich zweimal, zuerst (lurch 
das Pfeilergeshns unter den Scheidbögen, dann durch das 
fortlaufende Gesims über denselben (lnrchschnitten. Beide 
Gesimse sind stark ausladend, und geben durch ihre langen 
parallelen Linien dem Ganzen eine feierliche, ernste Regel- 
mässigkeit; die klösterliche Stimmung kann keinen würdi- 
geren architektonischen Ausdruck erhalten als hier. 
Der Chor gehört schon einer anderen Richtung an. 
Acht hohe monolithe Säulen mit Knospenkapitälen, die Basis 
mit dem Eckblättchen verziert, tragen eine zierliche Galle- 
rie, in der zwei Spitzbögen von je einem Rundbogen um- 
schlossen sind. Es ist wahrscheinlich, dass dieser Theil 
nach einem Brande von 1165, der berichtet wird, entstan- 
den ist. Das Kreuzschiff älter als der Chor, aber jünger 
als das Langhaus, hat zwar ebenfalls eine Gallerie, aber in 
rundbogigen schweren Formen. Kannellirte Pilaster finden 
sich nur an dem Portal der Kirche, von dessen Sculpturen 
ich weiter unten noch sprechen Werde. Das Aeussere ist 
einfach, aber eigenthiimlich. indem die Mauer, unten stärker,
        

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