Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-933959
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Burgund. 
dieser Stockwerke, Wenigstens der beiden unteren, War nur 
gering, und der Zweck dieser ganzen Anordnung ist un- 
deutlich. Man könnte an ein Baptisierilun denken, bei 
Welchem die oberen Gallerien Raum für Zuschauer der 
unten vorzunehmenden Taufhandlung bilden sollten. Allein 
jedes Stockwerk war als eine abgesonderte Kapelle oder 
Kirche, die eine der heiligen Jungfrau, die andere dem 
Erzengel Michael, die dritte der Dreieinigkeit gewidmet, 
vermittelst besonderer Treppenthiirme von unten aus zu- 
gänglich. Der Name des Johannes, der einer 'l'aufkapelle 
nicht gefehlt haben würde, kommt also nicht vor. Dass 
Wilhelms italienischer Ursprung auf diese ungewöhnliche 
Construction Einfluss gehabt habe, lässt sich nicht be- 
haupterl, da wir kein italienisches Vorbild dafür kennen; 
auch war Italien gerade in dieser Zeit zu sehr verwildert, 
als dass man seinen italienischen G-ehülfeil eine bedeutende 
Einwirkung auf die nordische Kunst beimessen könnte. 
Eher mögen jene in so grosser Zahl herbeigeschaßten 
Säulenstämme Motive erzeugt haben, wie sie in der italie- 
nischen Architektur Lvorkormnen. Wenigstens ist es da- 
durch zu erklären, dass die schönste Kirche von Dijon, die 
Kirche Notre Dame, obgleich sie erst im dreizehnten Jahr- 
hundert, also lange nach den Zeiten Wilhelms, ihre jetzige 
Gestalt erhalten hat, eine auffallende Aehnlichkeit mit ge- 
wissen Kirchen von Lucca, Pisa und Arezzo zeigt, indem 
sie , wie diese, eine Fagade von drei offenen Bogenhallen 
und mehreren Stockwerken kleiner Arcadenreihen hat, die 
sich hoch hinauf über das Dach des Kirchenschiffes erhebt, 
und mit dem ReiCiliillllllß nlannigfaltigei- Säulenstämnle 
prunkt  
4'] Die Baugeschichte dieser eben so schönen wie eigenthümlichen 
Kirche verdiente wohl eine nähere Erforschung. Dass sie (wie Joli- 
mont in Chapuy"s Cath. de France annimmt) ganz aus den Jahren
        

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