Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-933919
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Burgund. 
er einheimisch oder aus der Fremde gekommen sein, ohne 
freiwillige Veränderung bei. 
Ein anderer Geist herrscht in den Gegenden, Welche sich 
von den nördlichen Gränzen der Auvergne und der Diöcese 
Lyon bis an die Gränzen der Champagne erstrecken, lllld 
die ich nach ihrem Hauptbestandtheile unter dem Namen 
von Burgund zusammenfasse, indem ich dazu die Land- 
schaft Bourbon und die Diöcese Macon, Chalons-sur- 
Saone, Autun, Dijon und Nevers rechne. Auch hier hat 
die Antike noch einen überwiegenden Einfluss, auch hier 
sind noch jetzt bedeutende römische Monumente erhalten, 
aus denen antike Reminiscenzen früher oder später in die 
mittelalterliche Architektur übergingen, und deren Vorbild 
den Sinn für feinere plastische Ausführung lebendig erhielt. 
Aber der Einfluss der Antike und die plastische Neigung 
äusserteil sich in anderer Weise, als in der Provence. Aus 
den römischen Monumenten entlehnte man nicht bloss den 
SehmucIQ, sondern auch constructiv wichtige Formen; na- 
mentlich spielt der kannellirte Pilaster hier eine grosse 
Rolle, lllld dient zur zweckmässigen Ausbildung des Pfei- 
lers. Und ebenso überwuchert die Sculptur nicht bloss als 
müssige Zierde die leeren Wände, sondern wird auf die 
Theile verwendet, Welche eine geregelte Construction ihnen 
anwies. Der Grund dieser Verschiedenheit ist nicht sowohl 
in äusseren Bedingungen, im Klima, im Material, als in 
dem verschiedenen Charakter des Volksstammes zu suchen. 
In sprachlicher Beziehung beginnt schon in den südlichen 
Theilen dieses Bezirks der Uebergang von der" Languedoc 
in die Languedoil, auch in baulicher Beziehung fühlen wir 
hier schon den Einfluss des germanischen Elementes, das 
die antiken Traditionen freier und kühner benutzt. An die 
Stelle jener südlichen Behaglichkeit und Unthätigkeit, die 
sich im Besitze der alten Ueberlieferung befriedigt, tritt hier
        

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