Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-933766
Mischung 
provenz. 
nord. 
Elemente. 
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auch noch einige andere minder bedeutende Beispiele vor- 
handen sind, Weisen nach der Provence hin. Auch zeigt 
sich der Einfluss aus dieser Gegend, der bei der kirch- 
lichen Verbindung sehr erklärbar ist, wiederum später in 
den frühgothischen Bauten. Auch der Reichthum an Sculp- 
turen mag durch eine Anregung aus jenen Gegenden be- 
dingt sein, n1n' dass bei den Bewohnern dieses rauheren 
Landes die antike Anmuth und Heiterkeit in eine wilde, 
derbe Phantastik umschlug. Der Mangel antiker Vorbilder 
war gewiss nicht die einzige oder hauptsächliche Ursache 
dieser Verschiedenheit. Manche Ueberreste des Alterthums 
mussten in dieser den Römern wichtigen Gegend damals 
noch erhalten sein; namentlich hatte das Kloster Payerne 
ganz in seiner Nähe die römische Stadt Avranches. Aber 
die Natm brachte andere Stimmungen hervor und die Be- 
völkerung war hier ungeachtet der romanischen Sprache 
ohne Zweifel mehr mit nordischen Elementen gemischt. 
Dieser nordische Einfluss zeigt sich in dem Wilden, 
Schreckenden lllld Phantastischen der Sculpturen, und in 
den Yiersehlingungen, welche hier mehr und in anderer 
VVeise vorkommen als in Deutschland. Bemerkenswerth 
ist die Verwandtschaft dieser phantastischen Ornamentik 
und Seulptur mit der, die wir im Elsass und in Schwaben 
gefrmden haben. Die schweizerische Sculptur ist noch 
reicher und phantastischer, aber auch roher als jene deut- 
sche, und es wird genauerer Forschungen, als bisher an- 
gestellt sind, bedürfen, um zu ermitteln, wo dieser Ge- 
schmack entstanden ist. Jedenfalls sehen. wir darin einen 
Zusammenhang dieser romanischen Gegend mit Deutsch- 
land und nehmen somit die Gränze wahr, wo sich die Ei- 
genthümlichkeiten beider Länder berührten und mischten.
        

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