Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-933752
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Die 
romanische 
Schweiz. 
unserer Epoche angehört. Dennoch ist der plastische 
Schmuck, mit welchem die Kapitäle an den gekuppelteir 
Säulen im Inneren der Chemische verschwenderisch aus- 
gestattet sind, ebenso phantastisch als roh. Diese Säulen 
haben attische Basis und schlanke Kelchkapitäle, an denen 
die bekannten Klötzchen, auch wohl Voluten und Akan- 
thusblätter die Reminiscenz des korinthischen Kapitäls aus- 
ser Zweifel setzen, dabei aber historische Sculpturen aller 
Art angebracht sind, Christus und St. Petrus, auch dieser 
ungewöhnlicheriveise in der ovalen Glorie, Heilige, die mit 
Drachen und anderen 'l'hieren kämpfen, und andere 'l'hier- 
gestalten dunkler Bedeutung. Noch roher sind die Details 
des Kreuzschiffes; die Kapitäle, der Würfelform sich nä- 
hernd, tragen V erschlingungen und andere mehr nordische, 
als südfranzösische Ornamente, dann aber auch Figuren 
von unförmlichster Bildung und unverständlichstcr Bedeu- 
tung, welche mit dem Beile, nicht mit dem Meissel aus- 
gehauen scheinen. Aehnlich, aber noch wilder, sind die 
Sculpturen an den Kapitälen und Deckplatten in der Kirche 
N. D. de Valere, auf einer Bergesspitze bei Sion, wo 
einegrosse Zahl von phantastischen und schreckenden Ge- 
stalten, grosse Köpfe mit ungeheuren Rachen, welche Men- 
schen und Thiere verschlingen, Adler, Löwen, Böcke, mit 
conventionellem, theils skizzirtem, theils sehr tief einge- 
hauenem Blattwerk verwirrend wechseln. Sehr eigen- 
thümlich, aber auch bezeichnend für den Mangel an rich- 
tigem Stylgefühl ist, dass die schrägen Schmiegen der 
Deckplatten mit einzelnen dicken Schnecken, Muscheln, 
Tannzapfen und anderen Früchten besetzt sind, während 
ein anderes Mal an einem Abacus Christus zwischen En- 
geln, freilich in hässlichster Gestalt, dargestellt ist. 
Die Anlage der Kirchen, namentlich der Gebrauch des 
Tonnengcxwrölbcs, für dessen Vorherrschen in dieser Epoche
        

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