Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-933700
Gilles 
und 
Trophime. 
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ter dieser Säulenstellung ist die Wand dann noch durch 
kannellirte Pilaster getheilt, so dass das Ganze durch die- 
sen reichen, mannigfaltigen Rhythmus eine gefällige male- 
rische Wirkung hervorbringt. Dabei ist in anderen Thei- 
len, z. B. in den Deckplatten der Kapitäle die Form des 
Mittelalters erkennbar, und auch der reiche plastische Schmuck, 
mit dem das Ganze bedeckt ist, trägt den Charakter des 
Jahrhunderts. Löwenähnliche Thiere mit dem Menschen- 
hilde zwischen den Klauen liegen am Fusse der Säulen, 
Lämmer und Drachen schleichen an den Gesimsen, und 
die menschlichen Gestalten contrastiren im strengen Styl 
der Köpfe und der Gewandung mit der Heiterkeit der ar- 
chitektonischen Theile. Dennoch aber ist das Ganze mit 
solcher Sicherheit und Anmuth geordnet, dass es einen 
harmonischen Eindruck gewährt. 
Aehnlich in reicher Anwendung antiker Glieder und 
Ornamente sind die Facade von St. Gabriel, auf dem 
Wege zwischen Arles und St. Remy, und die schönen 
Kirchen von St. Paul-trois-chateaux lmd St. Resti- 
tute, beide in geringer Entfernung in der Dauphine. Es 
ist höchst merkwürdig, wie weit auch hier die Nachah- 
mung der antiken Vorbilder geht. An St. Paul-trois- 
chateaux zeigt die unvollendete Facade neben dem Portale 
kannellirte, noch nicht mit Kapitälen versehene Säulen- 
stämme, die genau die Disposition wie an den Seitenhallen 
eines römischen 'I'riumphbogens haben, im Inneren sind die 
rundbogigen Fenster von Säulen umstellt, welche ein gera- 
des Gesims tragen, das Gebälk ist hier und an anderen 
Kirchen dieser Gegend, in N. D. des Domns in Avignon, 
in den Kirchen von Vaison u. s. f. völlig in antiker Ein- 
theilung wiedergegeben. Es ist wahrscheinlich, dass diese 
genauere und vollendetere Nachbildung der Antike durch- 
weg erst dem zwölften Jahrhundert, der Zeit des wieder-
        

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