Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-933562
Provenzalen 
und 
Franken. 
247 
Volkes einzugehen. Noch aus römischer Zeit her war das 
Volk an poetische Anregungen gewöhnt; die Kirche liess 
sich auch hierauf ein, dramatisirte ihre Feste, trug heilige 
Geschichten in bänkelsängerartigen Reimen vor, dumhwebte 
sie sogar mit landschaftlichen Schilderungen, in denen schon 
jetzt Philomele, die in den späteren ritterlichen Gedichten 
so unentbehrliche Nachtigall, ihre Stelle fand. Unter der 
Geistlichkeit entstand daher eine Form der Bildung, in der 
sich weltliche Elemente, zum Theil in antiker Färbung, mit 
christlichen mischten. Auch der kriegerische Adel konnte 
dem Einflusse städtischer Sitte und einer milderen Sinnes- 
weise nicht widerstehen. Er gab den Ermahnungen der 
Kirche zuerst Raum , indem er den Gottesfrieden annahm 
imd als ritterliches Gesetz anerkannte; er benutzte aber 
auch diese Tage der Ruhe zu friedlichen Festen, und bald 
erschallten die Burgen nicht bloss vom Getöse der WVaffen, 
sondern von den Tönen heiterer Geselligkeit. Die Poesie 
der Minne hatte hier ihre früheste Blüthe, und die Lieder 
der 'l'roubad0urs machten die Gemüther für zarte Regungen 
empfänglich. Politische Bedeutung erlangte das Land zwar 
nicht, die Versuche der burgundischen Fürsten scheiterten, 
aber es erfreute sich des Friedens und der Wolüfahrt lange 
vor den anderen Völkern des Abendlandes. Die Nord- 
franzosen dieser Zeit , roher und kriegerischer, rühmen an 
den Provenzalen ihre Klugheit und Emsigkeit, aber sie 
verschmähen ihre reiche Tracht und die Weichlichkeit ihrer 
Sitte, und verspotten 
Vorsicht Ü. 
ihre , 
ihnen 
unmännlich 
scheinende 
i") Vgl. die oft angeführten Stellen des Glaber Radolf (bei du 
Chesne IV, 38) und das Radolf Gadomensis (Muratori Scr. rer. Ital. V) 
bei Wachsmuth Sittengeschichte II, 458. Sie scheiden sich, sagt der 
Chronist, wie Hühner und Enten; es war sprüchwörtlich: Franci ad 
bella, Provinciales ad victualia.
        

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