Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-933556
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Frankreich. 
den südlichen Küsten hatten griechische Pflanzstärlte schon 
vor der römischen Eroberung Civilisatioil verbreitet, und 
nach derselben dem strengeren römischcn Geiste eine wei- 
chere, auf feineren Lebensgenuss gerichtete Färbung ge- 
geben. Auch die Völkerwanderung zerstörte die Blüthe 
dieser Gegend nicht völlig, die grösseren Städte Wussten 
ihre Gewerbthätigkeit und ihre Selbstständigkeit zu be- 
wahren, mannigfache Ueberreste römischer Grösse erregten 
den Sirm für Pracht und Luxus, und die fortwährende 
Anerkennung des römischen Rechts beförderte Ordnung 
und Gesetzlichkeit. Die ersten germanischen Eroberer des 
Landes, die Westgothen, wurden von dieser einheimischen 
Civilisation überwältigt, cultivirt und verweichlicht; die frän- 
kische Herrschaft fasste nur schwache WVurzeln; die Nor- 
mannen drangen nicht bis hieher, und mit den Arabern 
Waren, nachdem ihr erster Einfall glücklich znrückgeschla- 
gen, nur auf den Gränzen Kämpfe zu bestehen. 
Das Christenthum hatte unter der gebildeten und em- 
pfänglicheil Bevölkerung dieser Gegend Eingang gefunden, 
frommen Regungen waren die Gemüther höchst zugänglich, 
die strengere Haltung, welche nach dem Jahre 1000 auf- 
kam, machte sich auch hier am stärksten geltend. Aber 
der Gegensatz zwischen Geistlichkeit und Laien war hier 
weniger fühlbar, weil die gemeinsame Sprache sie verband 
und die Verschiedenheit des Lateinischen von dem einhei- 
mischen Dialekte zu gering war, um nicht Verschmelzungen 
herbeizuführen  Die Laiemvelt war daher minder un- 
gebildet, die Geistlichkeit weniger gelehrt, mehr genöthigt 
und mehr geneigt, auf die Wünsche und Gebräuche des 
i) Schon aus der ersten Hälfte des elften Jahrhunderts besitzen 
wir geistliche Formeln und Gesänge theils ganz in prove-nzalischer 
Sprache, theils wechselnd, lateinisch und romanisch. Vgl. Fauriel, 
Histoire de 1a poesie provenqale. Paris 1846.
        

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