Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-933024
Toscanische 
Bauten. 
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sonst im italienischen Mittelalter nicht üblich sind, linden 
sich daran, der Eierstab und ähnliche feinere antike Motive 
kommen neben den Bandverschlingungen des Mittelalters 
vor k). Auch hier besteht der untere Theil der Faeaden 
gewöhnlich aus mehreren Arcaden, wie am Pisaner Dome, 
nur dass an diesem sieben, bei jenen kleineren Kirchen aber 
fünf Arcaden angebracht sind, von denen drei die Portale 
enthalten und zwei dieselben verbinden, während der obere 
Theil mit blinden Arcaden oder auch wohl, wie in S. Mi- 
niato, mit Halbsäulen unter einem Architrav ausgestattet 
ist. Die Marmorbekleidung giebt immer eine Betonung der 
architektonischen Gliederung, zugleich herrscht aber eine 
malerische Freude an der Farbe, Welche die Einfügung 
von Wandfeldern, namentlich von Rauten, unter den Bögen 
der blinden Arcaden liebt. Es ist also überall dieselbe 
Tendenz, welche auch in der Decoration des Pisaner Domes 
durchgeführt ist, so dass, wenn jene anderen Facaden 
wirklich älter sind, den Pisaner Meistern in dieser Bezie- 
hung nicht das Verdienst der Erfindung zusteht. Aber jene 
Faeaden sind doch nur eine äusserliche Bekleidung älterer 
Kirchen, und diese haben keinesweges die architektonische 
Ausbildung des Domes, sie können demselben daher im 
Ganzen nicht zum Vorbilde gedient haben die). 
Allein eben so wenig sind die Meister desselben einem 
auswärtigen Vorbilde gefolgt. Es mag sein, dass die 
F) So namentlich an der Faeade von St. Frediano in Lucca. 
H) Wenn Rumohr a. a. O. in dem Dome von Pisa Ilieht das erste 
Symptom wiederaufstrebender Kraft, sondern "die blosse Nachblüthe 
zweier Bauschnlen, welche seit dem Jahre 1000 in Toscana bereits 
sehr viel erreicht hatten", nämlich einer florentinisehen und einer lue- 
chesischen, erkennen will, so ist das eine gewagte und mit nichts be- 
gründete Behauptung, da jene Faeadendecoration noch nicht eine Ar- 
chitektur bildet, und das grosse Verdienst harmonischer Entwickelung 
des Grundplanes dem Pisaner Dome ganz ausschliesslieh bleibt. 
IV. 2. 13
        

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