Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932866
Torcello. 
177 
der Sophienkirche. Noch jetzt, neben so manchen Anklän- 
gen an orientalischen Geschmack, die Venedig in seinen 
Palästen zeigt, erscheint dieser Glanz uns fremdartig, ab- 
weichend von dem Style der übrigen Kirchen. Wie viel 
mehr musste dies in der Anfangszeit sein. Aber dies 
Fremdartige schreckte nicht; Venedig hatte schon damals 
einen weiteren Blick, ein Volk von Kauffahrern war an das 
Fremde gewöhnt, man Wollte mit den reichsten Städten 
des Mittelmeers, und das waren noch immer die byzanti- 
nischen, wetteifern, die Insel schickte sich an, eine Welt-- 
stadt zu werden. 
Dass man bis dahin auch in den Lagunen noch im 
Style des übrigen Italiens gebaut hatte, beweist der Dom 
in Grado und besonders die mächtige Kirche auf der Insel 
Torcello, die von dem Bischof Orso Orseolo im Jahre 
1008 begonnen wurde d). Sie bildet eine dreischifiige Ba- 
silika mit einer Holzdecke, mit 18 Säulenstälnmeil griechi- 
schen Marmors, rundbogigen Fenstern und gleichen Wand- 
arcaden. Aber schon die daneben liegende kleinere Kirche 
Santa F0 sca zeigt einen Weiteren Einfluss des byzantini- 
schen Geschmacks. Es ist ein Kuppelbau, auf drei Seiten 
von schmalen Hallen (getheilteil Pfeilern wie in St. Marco) 
begleitet, mit einem tieferen, in drei Nischen endigenden 
Chore, das Ganze von einer Säulenhalle umgeben, die vorn 
drei Seiten eines Achtecks bildet. Doch sind die Kapitale 
hier zum Theil nach römischen Vorbildern gemacht, auch 
lässt sich sonst nichts specilisch Griechisches aufzeigen; 
man sieht, der byzantinische Einfluss war hier nur durch 
die Marcuskirche vermittelt, er war schon mit der Landes- 
sitte verschmolzen. 
m] Aginc. Taf. 25, Nro. 29-31. Eine bessere Ansicht des Inneren 
der Concha mit dem Bischofsstuhl und amphitheatralisch aufsteigenden 
Sitzen der Priester findet sich bei Alb. Lenoir, Archit. monastique p. 205. 
IV. 2. 12
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.