Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932801
Tiefster 
Verfall 
der 
Kunst. 
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opfert, wo das Leben von höheren Ideen bewegt ist, die 
nach einem Ausdrucke verlangen, kann sie gedeihen. Ohne 
diese Begeisterung verfällt das Volksleben und mit ihm die 
Kunst. 
Als der Verfall seine äusserste Gränze erreicht hatte, 
in der zweiten Hälfte des elften Jahrhunderts, um dieselbe 
Zeit als in der Kirche eine strengere Partei die Oberhand 
gewann, deren Plane Gregor VII. endlich mit starker Hand 
zur Ausführung brachte, nahm auch das öffentliche Leben 
und mit ihm die Kunst eine bessere Gestalt an. Allein 
diese Besserlmg ging, obwohl gleichzeitig, nicht aus reli- 
giöser Begeisterung, sondern aus ganz anderen Elementen 
hervor, aus der Entwickelung des bürgerlichen Sinnes und 
der wachsenden Blüthe der Städte. Jene Ueberreste antiker 
Bildung, welche sich in ihnen concentrirten, hatten sie fähig 
gemacht, aus der Verwirrung der Zeiten V ortheile zu zie- 
hen, bei den Fehden des landsässigen Adels, bei der Ent- 
sittlichung der Geistlichkeit ihre Rechte auszudehnen und 
festzustellen, durch die Gunst der Fürsten Bestätigung ihrer 
Privilegien zu erhalten. Auch die kirchliche Reform, Welche 
Gregor und die ihm Gleichgesinnten vornahmen, kam ihnen 
zu Statten, indem sie theils eine Spaltung unter den geist- 
lichen Machthabern, theils eine strengere, Weniger auf welt- 
liche Herrschaft gerichtete Sinnesweise derselben hervor- 
brachte. Während dessen Waren sie auch durch bürger- 
liche Gewerbsamkeit bereichert. Der Handel hatte, beson- 
ders in den Küstenstädten, niemals aufgehört; sie waren 
es , Welche byzantinische und maurische Fabrikate dem N 01'- 
den zuführten. Die Verbreitung des Christenthums und der 
Civilisation vermehrte nur die Zahl ihrer mercantilischen 
Hinterländer und in diesen die Nachfrage. Dieser Verkehr 
mit den östlichen Ländern gab aber auch mannigfaltige An- 
schauungen und schärfte den Sinn für das Nützliche und
        

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