Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932790
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Italien. 
diese höhere Begabung der Individuen wurde sogar ver- 
derblich, Weil sie zu isolirtem Handeln trieb, die schwachen 
Bande der Einheit stets auf's Neue sprengte, weil sie end- 
lich nichts Besseres fand, dem sie sich Widmen konnte, 
als jene Ueberreste des Alten, und durch das vergebliche 
Bemühen ihrer Wiederbelebung die Verhältnisse nur noch 
mehr verwirrte. 
Dieser Verfall des Nationalgeistes findet 
der Kunst den vollkommensten Ausdruck. 
denn auch in 
Man könnte 
glauben, dass die natürliche Anlage des Volks, die Auf- 
forderung zu feinerem Lebensgenusse, welche das Klima 
des schönen Landes gab, das Vorbild so vieler noch er- 
haltener römischer Denkmäler, die Ueberreste der Bildung 
unter den Laien die italienische Kunst auch jetzt noch auf 
einer wenigstens relativen Höhe erhalten haben müssten. 
Allein dem war nicht so , sie sank hier tiefer als in irgend 
einem Lande. Während die Deutschen und Franken aus 
den Formen, welche ihnen erst in der karolingisehen Zeit 
von Italien her überliefert waren, schon einen neuen Styl 
zu bilden begannen, gab man hier nichts als eine matte 
und verwirrte Wiederholung des Alten, Während man dort 
die menschliche Gestalt zwar nnlebendig und schwerfällig, 
aber doch mit dem Sinne für architektonische Regel auf- 
fasste, wurde sie hier in barbarischer, das Gefühl ver- 
letzender Rohheit dargestellt. Es ist dies ein merkwürdi- 
ger Beweis für den innigen Zusammenhang, der zwischen 
der Kunst und dem Volksleben besteht. Natürliche Anla- 
gen, Bildung des Verstandes, Civilisation reichen nicht 
hin, sie zu erhalten. In den sittlichen Elementen hat sie 
ihren Ausgangspunkt, nur da, wo das Gefühl der Gemein- 
samkeit vorherrscht, der das Individuum seinen Egoismus 
Tode. 
Spruch vor seinem 
morior in exilio. 
Dilexi justitiam 
propterea 
odi iniquitatem, 
et
        

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