Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932732
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Italien. 
Oberhauptes der Christenheit. Rohe Adelsfaktionen kämpf- 
ten in Rom um den Besitz der Macht, verbuhlte Weiber 
konnten bleibenden Einfluss gewinnen und den päpstlichen 
Stuhl mit Knaben oder mit ihren verächtlichen Kreaturen 
besetzen. Auch im übrigen Italien war der Klerus mehr 
als anderswo entartet. Die geistlichen Würden, von den 
Machthabern ohne Regel und Recht, ohne Rücksicht auf 
sittliche und Wissenschaftliche Befähigung verliehen, wurden 
als Pfründen des Adels betrachtet, deren Inhaber die Le- 
bensweise ihrer weltlichen Standesgenossen beibehielten, sich 
offen wilder Ueppigkeit hingaben, mit Hunden und Falken, 
mit Buhlerinnen herumzogen. So wenig die Kirchenzucht 
der anderen Länder eine strenge und musterhafte genannt 
werden konnte, erregte doch der Zustand Italiens den Un- 
willen der Ultramontanen. Ratherius, der, von Geburt ein 
Belgier, auf den Bischofsstuhl von Verona gelangt war und 
vergeblich mit den eingerissenen Missbräuchen kämpfte, 
bezeugt, dass in keinem Lande von Europa die Geistlich- 
keit so verachtet sei, wie in Italien, dass sie sich hier nur 
durch Tonsur und Kleidung von den Laien unterscheide. 
Der Erzbischof von Orleans wagt auf einem Konzil zu 
Rheims (991) es auszusprechen, dass unter der römischen 
Geistlichkeit kaum Einer sich befinde, der lesen und schrei- 
ben gelernt habe, er verlangt, dass man das Oberhaupt 
der Kirche in Belgien oder Deutschland suche, wo noch 
fromme und in der Lehre ausgezeichnete Männer zu finden 
seien. Und noch im Jahre 1058 konnte Petrus Damiani 
behaupten, dass der neu erwählte Papst, um von ganzen 
Psalmen nicht zu reden, nicht einmal ein Verslein der 
Homilien vollständig auszulegen, und dass der Kardinal- 
priester, der ihn geweiht, nicht einmal richtig zu lesen ver- 
möge  Wenn auch diese Vorwürfe übertrieben sein 
Ü Neander Kirchen-Gesch. Bd. IV. S. 29.7, S. 200, 237.
        

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