Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932565
in 
Franken. 
147 
sind 
nicht 
ohne 
rheinischen 
Einfluss. 
Die 
Burkards- 
kirehe zu YVürzburg hat endlich den Wechsel von Pfei- 
lern und Säulen, wie die sächsischen Bauten. 
In Hessen ist vorzugsweise die Klosterkirche zu 
tragen), so wie die Hinzufügung von Strebepfeilern vorgenommen. Im 
fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert kommen vielfache Reparatuv 
ren, jedoch nur der Dächer, vor. Erst am Anfange des siebenzehnten 
erhielt das Langhaus eine Ueberwölbung, und im Anfange des acht- 
zehnten erfolgte wahrscheinlich die jetzige Bekleidung des Inneren mit 
einer barocken Stuckatur.  
Die ältere Anlage des Gebäudes ist dennoch wohl zu erkennen. 
Die Chemische, halbkreisförmig, mit sehr alterthümlichem, einfachem 
Sockel, mit Halbsäulcn, deren Kapitale eine am Dome und an dem 
benachbarten Ncumünster wiederkehrende, würfelartige, aber mit V0- 
luten verbundene Form haben, dürfte der älteste Theil sein. Das M0- 
nogramm des Bischofs Bruno ist jetzt zwar nur auf einen Stein gemalt, 
möchte aber die Wiederholung eines bei einer Reparatur zerstörten stei- 
nernen Monogramms sein, so dass die Anlage vielleicht noch von Bruno 
herriihrt. Die Mauer lässt eine spätere Erhöhung der Nische deutlich 
erkennen, bei der man jedoch jene Kapitale und den Bogenfries wieder 
benutzt hat. Diese Kapitälform scheint sehr primitiv, der Bogenfries 
hat dagegen schon künstlichere Form und mag daher aus dem Bau des 
Bischofs Gottfried stammen. Auch die Mauern des Langhauses lassen 
noch die Lisenen und die Kapitale der Ecksäulchen erkennen. Am 
Oberschiffe zeigen die grossen rundbogigen Fenster durch ihre Stellung, 
dass sie ursprünglich auf eine Balkendecke berechnet waren, Im In- 
neren sind an den Pfeilern unter den Scheidbögen an einigen Stellen, 
wo Altäre die Stuckatur überflüssig machten, die Würfelkapitäle noch 
vollkommen sichtbar; an den anderen hat die Stuckatur sich ihnen an- 
geschlossen. Die ältere Kirche war daher eine Pfeilerbasilika, jedoch 
mit Halbsäulen unter den Scheidbögen und mit grossen rundbogigen 
Fenstern; aller Wahrscheinlichkeit nach hatte sie diese Gestalt durch 
den erwähnten Bau des Enzelin, jedoch mit Benutzung wesentlicher 
Theile aus dem Bau des Bruno, erhalten. Jedenfalls ist nicht der ent- 
fernteste Grund zu der von Mertens (Baukunst des  S. 113 und 
in den Tabellen] aufgestellten Annahme, dass der Bau im Jahre 1238 
angefangen sei. Jene in den Jahren 1230-1240 erlassenen Ab- 
lassbriefe können blosse Reparaturen (vielleicht nicht einmal der Kirche) 
betroffen haben, und die Formen des alten Baues, soviel wir sie er- 
kennen, haben keine Verwandtschaft mit dem um 1230 in Deutschland 
herrschenden Uebergangsstyle. 
10 1'
        

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