Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930998
VIII 
Vorwort. 
Theil dieses fortgesetzten Verkehrs, eine Wechselrede, auf 
welche die Antwort erwartet wird, ein Versuch, jenes tie- 
fere Verständniss vorzubereiten. Selbst die Irrthümer, die 
ja ohnehin in allen menschlichen Dingen nicht ausbleiben, 
sind fördernd, sie gewähren doch stets eine Annäherung 
an die Wahrheit, welche dem völligen Verzichten auf die- 
selbe vorzuziehen ist. 
Der Versuch einer allgemeineren geschichtlichen Dar- 
stellung ist daher immer an sich gerechtfertigt, und nach 
der Benutzung des vorhandenen Materials zu beurtheilen. 
Ich glaube nun, dass dies schon jetzt ausreichend ist, um 
der Arbeit einen mehr als vorübergehenden Erfolg zu ver- 
heissen. Allerdings ist unsere Kenntniss noch unvollstän- 
dig; in Deutschland sind, wie dies schon die hellen Stellen 
in Lübke's neuerlich erschienener Architekturkarte des Mit- 
elalters sehr anschaulich darthun, mehrere Provinzen höchst 
ungenügend durchforscht; in Frankreich ist diese geogra- 
phische Bearbeitung vollständiger, dagegen die kritische 
Behandlung des Chronologischen mehr vernachlässigt. In- 
dessen stehen diese Lücken zu dem bereits Ermittelten doch 
nur in sehr untergeordnetem Verhältnisse. Auch von den 
Zuständen in jenen minder durchforschten Provinzen haben 
wir durch einzelne Monumente einige Kenntniss, oder kön- 
nen nach der Analogie benachbarter und sonst in kultur- 
historischer Beziehung ziemlich gleichstehender Gegenden 
auf sie zurückschliessen. Und auch bei jener ungenügenden 
Behandlung des chronologischen Details stehen doch die 
weiteren GfällZEll der Zeit ziemlich fest, und gestatten an- 
nähernde, nach der Vergleichung benachbarter Monumente 
zu bildende Schlüsse. Wir beiinden uns mithin ungefähr 
in der Lage eines Menschen, der schon nahe genug ist, 
um die Umrisse und den Gliederbau eines Gegenstandes 
vollständig zu erkennen, und nur bei näherem Herantreten 
weitere Anschauung und plastische Details zu gewärtigen 
hat. Wir wissen jedenfalls über die Kunstentwickelung 
des Mittelalters mindestens eben so viel, wie über die der 
alten Welt, und die Verschiedenheit besteht nur darin, dass
        

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