Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930984
Vorwort. 
VH 
bäude des Mittelalters nicht bloss sehr langsam, sondern 
oft auch mit Benutzung älterer Fragmente errichtet sind, 
und mithin stylistische Aeusserungen mehrerer Zeitalter 
gemischt enthalten, mehr oder Weniger verkennt. Man 
müsste, wenn man consequent sein wollte, nicht Gebäude, 
sondern einzelne Steine datiren. Andere meinen wenigstens, 
dass die chronologische Vorarbeit beendigt sein müsse, ehe 
sich eine befriedigende Geschichte aufstellen lasse. Allein 
auch diese Vorsicht dürfte den Bedürfnissen der Wissen- 
schaft nicht entsprechen. Eine völlige Erschöpfung des 
Materials wird niemals gewonnen werden; die Geschichte 
würde nie beginnen, wenn sie diese abwarten wollte. Sie 
darf und muss von Bekanntcm auf Unbekanntes schliessen, 
sie hat nicht das Recht, den vollkommenen mathematischen 
und juridischen Beweis des 'l'hatsächlichen zu verlangen, 
und in seiner Ermangelung zu schweigen. Die Chrono- 
logie selbst bedarf der Geschichte, theils um Beweisregeln 
aus ihr zu entnehmen, theils um sich über die Bedeutung 
oder Bedeutungslosigkeit einzelner Thatsachen aufzuklären. 
Geschichte und Chronologie stehen im Zusammenhang-e, 
aber sie sind nicht völlig identisch; die Chronologie ist nur 
das Mittel, nicht der Zweck. Sie ist sogar nur ein Mittel, 
wie dies namentlich die Geschichte der romanischen Kunst 
sehr deutlich ergiebt, WO die Gruppirung verwandter Ge- 
bäude, die Begränzung der verschiedenen Bauschulen und 
die Feststellung ihrer Verhältnisse unter sich und zu dem 
ganzen Lande, die Ermittelung ihrer localen Ursachen, mit 
einem Worte das geographische Element, auch bei 
mangelhafter chronologischer Feststellung, schon eine ziem- 
lich lebendige Anschauung von dem künstlerischen Leben 
des Mittelalters gewährt. Die Geschichte steht über diesen 
vorbereitenden Disciplinen; sie hat die Aufgabe, sich in 
den Geist der Zeiten einzuleben, und erlangt dies nicht 
ausschliesslich durch die Anhäufung des Materials, sondern 
im geistigen Umgange und Verkehr mit der Vergangenheit. 
Das einzelne Geschichtstverk darf nicht darauf Anspruch 
machen, das letzte Wort zu sprechen, es ist eben nur ein
        

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