Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920521
Die 
Engel. 
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man grübelte nicht, warum es nicht schon durch Chri- 
stus geschehen sei. Die Kunde war erwünscht und das 
Bedürfniss nimmt , was ihm geboten wird. Auch scha- 
dete diese Unsicherheit dem Bilde ilicht; sie uingab es 
vielmehr wie ein zarter, beweglicher Duft, der den 
Körper leichter, eines überirdischen Wesens würdiger 
machte. 
Man war einigrdarüber, dass die unzähibaren Schaaren 
der Engel in drei Ordnungen, jede von drei Chören, mit- 
hin im Ganzen in neun Chöre oder Classen abgetheilt 
waren k), dass ferner- diese drei Ordnungen in ihrem 
 Dionysius selbst (de coelesti hierarchia, cap. 6) beruft 
sich nicht auf das Zeugniss des Apostels Paulus, sondern bloss auf 
Visionen heiliger Theologen im Allgemeinen. Die 9 Engelsclnöre in 
ihren 3 Ordnungen heissen bei ihm: 1) Seraphim, Cherubim, Throni; 
2) Dominationes, Virtntes, Potestates; 3) Principatirs, Archangeli 
und Angeli. Seine Erklärungen: über die verschiedenen Iümctionen 
dieser Chöre sind freilich sehr dunkel, hergeleitet aus dem Bezeich- 
nungsworte, und lassen kaum mehr errathen, als dass die Engel 
entsprechende menschliche Eigenschaften in höchster Vollkommenheit 
und Reinheit darstellen. Papst Gregor der Gr. gab (lib. 2. Morat.) 
ein etwas abweichendes System , indem er die Ordnung jener 
9 Chöre etwas veränderte und ihre Bedeutung consequenter fest:- 
stellte, weshalb ich im Texte ihm gefolgt bin. Die erste Ordnung 
(Epiphania) enthält die Seraphim, qui caritate prae aliis ardent, 
Cherubim, qui scientia prae aliis eminent, Throni, in quibus 
Sedens Deus judieia sua decernit; die zweite Ordnung (Hyper- 
phania) giebt die Anwendung des göttlichen Wesens, die rechtß 
Ordnung der Dinge, durch die D ominationes, quae oßfrcia  
Angelornm, Principattrs, qui capitibus praesunt popnlortum, P0- 
testates, quae daemonunz coercent potestatenn); die dritte Ord- 
nung (Hypophania) leitet die Ausführung dieser göttlichen Lehre" 
(Virtntes per quos sigma et miracula üunt, Archangßli, Qlli m3- 
jora, Angeli qni minora nuneiant). Allen Engeln sind übrigens die- 
selben Gaben gemein, nur in verschiedenem Grade. Sie spiegeln 
die Dreieinigkeit, das XVesen des Vaters (ordinata potestaS), des 
Sohnes (scientia), des Geistes (actio), Snwßlli in ihren drei Ord- 
nungen, als in der Abstufung derselben ab. Diesem Systeme des
        

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