Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920507
Historischer 
Glaube. 
85 
doch nicht die reine Wahrheit, sondern nur ein Bild 
derselben gaben, das durch die Eigenthünxlichkeit ihres 
Stoffes bedingt ward"). Vor Allem enthielt aber die Schrift 
eine historische Wahrheit, und man wagte es so 
Wenig sie als blosses Sinnbild zu betrachten, dass man 
selbst die Figuren der Gleichnissreden, Abraham, in 
dessen Schooss die Seligen ruhen, die thörichten und 
klugen Jungfrauen und den verlorenen Sohn wie histo- 
rische Figuren behandelte. Die Gelehrten Wussten das 
nun freilich besser, aber sie nahmen keinen Anstoss an 
dieser unbefangenen Thätigkeit der gestaltenden Phan- 
tasie, sie gestatteterx sie sich selbst. 
Geschah dies schon bei diesen Figuren des Gleich- 
nisses, so galt es noch vielmehr da, wo das Wesen 
gewiss und nur die Gestalt unsicher war. Ein jeder 
wusste, dass Gott allgegenwärtig, nicht in bestimmter 
Körperlichkeit begränzt sei, dass kein Wort sein Wesen 
aussprechen, also auch kein Bild es würdig versinnlichen 
konnte M). Aber doch hatte Er sich den ersten Aeltern, 
dem Moses gezeigt, Christus war sein Ebenbild gewesen, 
4') Durandns im Prolog seines Rationale divinorum olficiorum, 
Obgleich ein eifriger Symboliker, benlerkt doch, die Zeit des Vor- 
bildliehen sei vorüber, die Zeit der WVahrheii da, wir dürfen nicht 
jiidelil (non judaizare, nicht die Wahrheit in Gleichnissen verschlies- 
S911). Aber obgleich die VVnhrheit erschienen, sei doch noch nlallßllß 
Wahrheit verborgen (adhuc multiplex verilas lalet quam nun vide- 
mus); deshalb gestalte die Kirche den Gebrauch der Bilder. 
 Vincentius Bellovacensis sagt sehr Schön (Spec. lliSlßriille 
Ü- 1): Nihil de Deo digne dici potest, sed eo ipso im" indlgmml 
9st, quod dici poiest. Verius cogitalur Deus qnam dicitur, et- verius 
ESI qnam cogitatur. Im 10. Jahrhundert in Italien gab ES indessen 
Sogar Geistliche, welche sich Gott nur körperlich denken konnten, 
m dass Ralhesius, Bischof von Verona  974), gegen sie eifem 
musste. (Gieseler K. G. lI. 1. S. 27. note g.)
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.