Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920469
Symbolik. 
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Gleichnisse zunächst von Menschen gesucht und gefun- 
den waren, so hinderte dies nicht eine innere nothwen- 
dige Beziehung der verglichenen Gegenstände zu ein- 
ander 
anzunehmen. 
Eine wichtige Rolle in dieser Symbolik Spielen ferner 
die Z ah I env er hä l tn i s s e. Insofern sie mit den Maassen 
des Raums und der Zeit, namentlich in der Astronomie, 
zusammenhängen, gehören auch sie zu jenen unmittelbar 
aus der ersten Schöpfung stammenden Gesetzen der 
Natur; insofern sie in der historischen Chronologie be- 
deutsam erscheinen, konnte man eine göttliche Anord- 
nung annehmen. Ueberhanpt aber haben die Zahlen 
einen geheimnissvollen Charakter, der die Mystiker aller 
Zeiten beschäftigt und sie verleitet hat, die Bedeutsam- 
keit, Welche den ersten, einfachsten Zahlen wirklich 
beiwohnt, auch auf die übrigen auszudehnen. Ihre Un- 
körperliehkeit, die Festigkeit ihrer Gesetze, der spröde 
Ernst ihres Wesens imponiren dem sinnlichen Menschen, 
während sie andrerseits durch die unbegränzte Mannig- 
faltigkeit ihrer Combinationen sich gefällig jeder Deu- 
tung fügen. Das Mittelalter behandelte die Zahlen mit 
einer ehrfurchtsvollen Scheu. WVenn die Chronisten 
Heere, Geldsummen, Schiffe einer Flotte oder dergleichen 
Zll schätzen haben, so begnügen sie sich gewöhnlich, 
sie als unzählbar, unschätzbar, unaussprechlich (innume- 
rabiles, inaestilnabiles, ineffabiles) zu bezeichnen; allCS 
Was über das gewöhnliche Maass hinausgeht, hat einen 
Schein des Wunderbaren. Alle Traditionen V0ll der 
Bedeutsamkeit gewisser Zahlenverhältnisse, die PYÜW 
goräische Lehre von der Harmonie der Sphären und 
ähnliche Philosopheme oder mystische Spiele fanden da- 
her einen fruchtbaren Boden; die heilige Schrift, besonders 
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