Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920457
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Deutung 
der 
Natur. 
V01" allen galt dies von den Erscheinungen des 
Lichtes und der Wärme. Die tiefsten, wichtigsten 
Kirchenlehren von der Dreieinigkeit, von Gottes Wesen 
und Allgegenwart, von seinen Gnadenwirkungen auf den 
Menschen, von der Geburt des Heilandes u. a., die dem 
gemeinen Verstande unbegreiflich erscheinen und über 
die alltägliche Erfahrung hinausgehn, werden glaubhaft, 
wenn man in der Natur selbst ähnliche Erscheinungen 
aufzeigt. Daher hatte man schon frühe gesucht, sie 
durch Gleichnisse anschaulicher zu machen. Der Strahl 
des Lichtes, der mit geistiger Schnelle sich durch das 
Weltall verbreitet, durchsichtige Körper, ohne Verlust 
der Substanz und ohne Verletzung der Körperlichkeit, 
durchscheint, versinnlicht die Allgegenwart und Allmacht 
Gottes; das Spiegelbild erklärt die geistige Einwirkung 
auf die Gemüther, ja sogar die Erschaffung der Welt 
aus dem Nichts; in der Einwirkung der Sonnenstrahlen 
auf das Reifen der Traube und die Erzeugung des Weins 
haben wir ein Gleichniss für die göttliche Gnade und 
die dadurch bewirkte Umwandlung des menschlichen 
Herzens. Und so lassen sich für andre Mysterien andre 
Analogien in der Natur linden a). Wenn nun auch diese 
3') Eine sehr reiche Sammlung solcher Gleichnisse zur Bezeich- 
nung der Dreieinigkeit, der Jungfrau und Christus, gibt Wilh. 
Grimm in der Vorrede zu Konrads v. Würzburg goldner Schmiede 
(Berlin 1540) S- XXVI. 11'. Einige auch bei Bosenkranz Gesch. d. 
d. Poesie im M. A. S. 168. Am hiiuiigsten ist die Anwendung auf 
die Jungfrau Maria; so Walther v. d. Vogelweide: Also die Sunne 
schinet durch ganz gewohrtez glas, also gebar die Reine Krist, die 
magd und muoter was. Wackernagel (das deutsche Kirchenlied, 
S. XVI) hält dies für das älteste Beispiel dieses Gleichnisses in Ge- 
dichten, und lässt einen lat. Hymnus aus dem 14. Jahrh. darauf 
folgen: Ut vitrum non laeditur sole penetrante, sic illaesa Credituf 
post partum et ante. Die schönsten, oft wahrhaft tiefsinnigen opti- 
schen Gleichnisse enthält Dante's divina. Comedia.
        

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