Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920382
Mitgefühl 
mit 
der 
Natur. 
voraussetzten, dem angestammten, germanischen Volks- 
glauben Nahrung gaben. Selbst die Gelehrten waren 
zu sehr an Autoritäten gewöhnt, als dass der Gedanke 
einer auf Beobachtungen gegründeten Wissenschaft ihnen 
auch nur einfallen konnte. Sie schöpften ihre Kenntniss 
von der Natur daher nur aus einzelnen Stellen der hei- 
aus 
aber 
oder 
hier 
ligen Urkunden 
Steller. Grade 
den Werken antiker Schrift- 
waren die Alten bedenkliche 
Führer; ihre bewegliche Einbildungskraft eignete sich 
nicht zu kritischer Beobachtung und sie überlieferten 
neben wirklichen Wahrheiten ohne Bedenken eine Menge 
von Fabeln, welche aus dem Naturcultus der frühem 
oder dem Mysticismus der spätem Zeit herstammten. 
Für diese Fabeln War aber der gläubige Sinn besonders 
empfänglich, und so bildete sich aus ihnen in Verbin- 
dung mit V olkssagexl, entstellten Berichten aus dem Orient 
und frommen Legenden eine Sammlung von Nachrichten, 
welche die Stelle der Naturwissenschaft vertrat. Sie 
hatte freilich keinen wissenschaftlichen Werth, übertrug 
nur den Aberglauben des Volks, nicht das tiefe, ahnende 
Gefühl, das diesem zum Grunde lag, in die Sprache der 
Wissenschaft; aber sie war dennoch ein Zeichen eines 
Uebergangs der Volksmeinungen in die Schule, ein Zeichen 
also innerer Verbindung, der nur die rechte Sprache 
fehlte. 
Die 
Elemente 
dazu 
waren 
schon 
vorhanden. 
Das 
Volk verhielt sich gegen die Natur eben so gläubig und 
hingebend, wie die Kirche gegen die Schrift, und Gottes 
Schöpfung konnte mit Gottes Wort nicht im Widerspruche 
Stehn. Daher bildete sich denn bald eine Sprache, in 
ivelcher die Kirchenlelu-e und die N aturliebe verschmolzen 
Waren, eine Symb olik, welche durch Zeichen und Bilder
        

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