Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920359
Antikes 
und 
nordisches 
Naturgefühl. 
der Wind weht und die Vögel singen, so weit die Erde 
grünt und die Führe wächst, so weit der Himmel sich 
wölbet. Durch raschen Ueberblick über Himmel und 
Erde und durch seine Charakteristik geben diese Formeln 
oft in kurzen Worten eine volle Landschaftsdichtung  
Es sind zwar skandinavische Beispiele, die ich anführe, 
weil die Ueberreste des deutschen Heidenthums durch 
die Einwirkung des Christenthums gründlicher zerstört 
sind, aber dass die deutsche Auffassung keine andere 
war, als die des verwandten nordischen Stammes können 
wir noch in den spätem deutschen Lokalsagen, Mährchen 
und Volksliedern sehen. Auch hier finden wir stets den 
Hinblick auf das Ganze der Natur, das Mitgefühl mit 
dem stummen Leben der Pflanzenwelt, das geheimniss- 
volle Spiel mit Bäumen, Blumen, Steinen, die Voraus- 
setzung verborgener Kräfte, die sich in ihnen offenbaren. 
Es leuchtet ein, dass diese Auffassung der Natur 
dem Christenthume mehr zusagte, als die antike. Sie 
nähert sich in der That derjenigen, die wir schon im 
alten Testament finden. Wenn der Psalrnist Gottes 
Grösse in der Schöpfung preist, hält er sich auch nicht 
bei Einzelnem auf, betrachtet nicht den Menschen oder 
den Bau des Thieres als grösstes TVunder, sondern 
blickt im weiten Raume umher und verbindet alles zu 
einem Ganzen. Aber ganz gleich stehen beide Auffas- 
sungen doch nicht; der Blick des hebräischen Dichters 
ist flüchtig, die Natur geht ihm völlig in dem Schöpfer 
auf, ihre Erscheinungen kommen und verschwinden, wie 
die Töne des Lobgesanges. Hier wird sie mehr um 
ihrer selbst willen mit Liebe betrachtet, es besteht eine 
Grimm, 
Rechtsallerlh. 
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