Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920310
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Die 
scholastische 
Philosophie. 
äussern, bestimmt Formulirten Gründen erwiesen werden. 
Dadurch wurden die Scholastiker genöthigt, die Gesetze 
des abstracten Denkens zu untersuchen, mit höchster 
Schärfe zu deiiniren und zu distinguiren und ihre Be- 
hauptungen stets in regelrechten logischen Schlüssen 
vorzutragen. Dieser pedantische Formalismus hinderte 
sie an Freier Entwickelung und gestattete ihnen nicht, 
zu neuen, überzeugenden Resultaten zu gelangen, aber 
er bildete das reflectirende Denken zu einer Genauigkeit 
und Präcision aus, welche der modernen Welt zu Statten 
kam, und durch welche es das Werkzeug kritischer Beob- 
achtung und das unentbehrliche Mittel aller wissenschaft- 
lichen und praktischen Leistungen, deren wir uns rühmen, 
geworden ist. Jedenfalls war diese Schule für das 
Mittelalter höchst wichtig und erfolgreich; sie brachte 
Ordnung und Festigkeit in die Verhältnisse. Alle Be- 
strebungen des Mittelalters in politischer und kirchlicher 
Beziehung gingen darauf hin, die widerstrebendeil An- 
forderungen der Freiheit und Einheit auszugleichen, den 
Einzelnen Unabhängigkeit und Selbstständigkeit zu ge- 
währen, und die Einheit des Ganzen dadurch herzustellen, 
dass man kleinere und grössere Gruppen bildete und in 
Verbindung brachte. Dasselbe Verfahren, das hier aus 
innerer Nothwendigkeit hervor-ging, wandte die Schola- 
stik auf dem Gebiete des Gedankens an, indem sie 
distinguirte, deünirte, Prämissen feststellte, sie im logi- 
schen Schlüsse verband, und aus den Resultaten des 
Schlusses in gleicher Weise zu neuen Combinationen 
Fortschritt. Sie that also mit Bewusstsein dasselbe, was 
man dort aus Instinkt und in schwankenden Versuchen 
erstrebte, sie zeigte die Regel, deren man dort entbehrte. 
Es war daher natürlich, dass man sich ihr anzuschliessen
        

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