Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920290
Die 
scholastische 
Philosophie 
zuweilen mit der Wissenschaft in Conflikt gerieth, aber 
im Ganzen war sie mit ihr einig, und fand bald in ihr 
eine kräftige Stütze. Denn der Glaube wurde um so 
fester und inniger, wenn man seinen Gegenstand sich 
zu eigen gemacht, ihn gleichsam erlebt hatte, Die Un- 
terscheidung zwischen Glauben und Wissen, die man 
später aufgestellt hat, war noch unbekannt, es gab nur 
eine Wahrheit, wenn man sie glaubte, wusste man sie 
auch  der Beweis war nur eine zwar nützliche, aber 
nicht nothwexidige Zugabe zum Glauben. Indem man 
nun aber die Schrift erklären und zerlegen wollte, konnte 
man über die daraus hergeleiteten Begriffe nicht einig 
werden, und wurde bei deren Erörterung wieder auf an- 
dere Begriffe geleitet, die neuen Streit erzeugten. Das 
Bewusstsein, dass die Wahrheit nur eine, dass sie 
uns gegeben sei, und man also gleichsam nur danach 
zu greifen habe, spornte den Eifer dieses Streites, die 
dem Zeitalter eigene Kampfbegierde mischte sich hinein, 
und die Schule ertönte von endlosen Disputationen, in 
denen wie in den Turnieren und Fehden der Ritter die 
edelsten Kräfte verschwendet wurden M). Aber bei alle- 
dem dienten doch diese Disputationen dazu, die Waffen 
des Verstandes mehr und mehr zu schärfen. Auch die 
 Im 13. Jahrh. fing man zwar an zu unterscheiden: ea esse 
vera secundum philosophiam, sed non secundum fidem. Aber es war 
dies ilßmßls 110011 etwas Neues und Unerhörtes. Quasi sint duae con 
trariae veritatesl ruft der Bischof aus, der diese Distinction anfiihrt. 
Tennemann a. a. 0- S- 460. 
H) Johannes Sarisberiensis im Metalogicus II. c. 6. 7. bei Ten- 
nemann VIII. 55 klagt, ut clament in compitis et in triviis doceant. 
Omnem dictorum aut scriptorum excutere syllabam, immo et literam, 
dubitantes ad omnia, quaerentes semper, sed nunquam ad scientiam 
pervenientes, et tandem converti ad vaniloquialn ac nescieutes quid 
loquamur aut de quibus asserant. 
        

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