Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920287
Trivium 
und 
Quadrivium. 
63 
diese 
Schulstudien 
reiheten 
sich 
dann 
die 
römischen 
storiker und andere Schriftsteller, die man theils zur 
Uebung im Lateinischen, als der Kirchensprache, theils 
um daraus nützliche Kenntnisse zu schöpfen, fortwährend 
las. Alle diese Kenntnisse Wurden aber, weil man sie 
als Einleitung zur Theologie oder als Vorübung zum 
Kirchendienste betrachtete, von dem Heiligenscheine der 
Kirche umfasst. Man verzichtete auch hier, wie bei 
den Glaubenslehren, auf eignes Urtheil und hielt sich an 
das geschriebene Wort. 
Indessen blieb es dabei nicht; bei Einzelnen regte 
sich doch immer der Trieb nach tieferer Erkenntniss. 
Sie begannen damit, es sich als eine strafbare Vernach- 
lässigung vorzuwerfen, dass sie sich nicht bemüheten, 
die Glaubenslehren, so weit als möglich, zu begreifen  
sie suchten daher sie zu erklären, zu beweisen, ihre 
scheinbaren Widersprüche aufzulösen, und wurden da- 
durch genöthiget, die in ihnen liegenden Begriffe näher 
festzustellen, von andern ähnlichen zu unterscheiden, und 
endlich den ganzen Inhalt der Glaubenslehren in ein voll- 
ständiges Lehrgebäude zu bringen. Dies gab die eigent- 
liche Wissenschaft des Mittelalters, die s. g. schola- 
stische Philosophie. Eine Philosophie im neuern 
Sinne des Wortes, eine völlig freie Forschung, die sich 
von allen Voraussetzungen lossagt, war es nun freilich 
nicht, sondern nur ein Erkennen und Begreifen gegebene!" 
Wahrheiten. Es konnte nicht fehlen, dass die Kirche 
 Anselm von Canterbury: Negligentia mihi videtxir, si post- 
(luam confirnxati sumus in flde, non studemus, quod credimus, in- 
Wlligere. Dennoch hält er auch diesen Gedanken noch für eine 
Versuchung _des Teufels; er kämpft damit Tag und Nacht, bis ihm 
Gott im Trauma die Gründe für den Beweis seines Daseins giebt. 
Tßllnemann, Gesch. d. Phil. VIII. 117.
        

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