Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920265
Die 
Wissenschaft. 
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Anschauungen, in Wissenschaft und Dichtung entwickelte. 
Es war ein Leben des Glaubens, aber nicht ganz im 
Sinne der Kirche, welche die Welt flieheniund das Jen- 
seits suchen lehrte, sondern eines Glaubens, der mit 
fester Zuversicht und freudigem Auge umherblickte, und 
den Zwiespalt der Wirklichkeit in einer höhern Einheit 
aufgelöst schauete. Dieser Glaube war anfangs nur in 
dunkler Ahnung vorhanden, aber er bildete sich mehr 
und mehr aus, und gestaltete sich aus widerstrebenden 
Elementen zu einer vollen, umfassenden Weltanschauung. 
Um ihn zu verstehen, müssen wir aber zunächst die 
Gegensätze kennen lernen, Welche er überwand, und 
dürfen nicht scheuen, uns mit den trockenen Gedanken 
der Schule und den dunkeln Meinungen des Volkes zu 
beschäftigen, denn diese beiden waren es, welche in 
ihrer Verschmelzung und gegenseitigen Ergänzung jener 
WVeltansicht ihre Eigenthümlichkeit gaben. 
Die Wissenschaft, um mit ihr zu beginnen, 
nahm im Mittelalter eine ganz andere Stelle ein, als in 
der alten Welt. Dort erschöpfte sich der Geist zunächst 
im änssern Leben, in Religion, Verfassung, Sitte, und 
schickte sich erst spät, als diese völlig gestaltet waren, 
zur wissenschaftlichen Betrachtung seines Wesens an. 
Hier finden wir gleich am Anfange der Entwickelung 
eine Wissenschaft, Wenigstens der Form nach, die nicht 
aus der vielseitigen Erfahrung eines nationalen Lebens 
hervorgegangen, sondern von aussen, aus einer frühem 
Zeit her überliefert ist, und sich mit den Ansichten des 
Volkes nicht mischt. Diese Wissenschaft war nun freilich 
eine sehr trockene, höheren Bedürfnissen wenig entspre- 
chende. Es war die der Römer, aber nicht in der leben- 
("geil Gestalt ihrer Blüthezeit, sondern so wie sie in
        

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