Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920237
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Festlust. 
Ceremonien, die der strengere Geist späterer Zeit für 
unerträgliche Lästerungen gehalten hätte a). 
Daneben gab es denn aber auch rein weltliche 
Feste, bei denen die Kirche nur mehr oder weniger 
zugezogen wurde. Dahin gehörten die Krönungen oder 
Huldigungen, städtische Feierlichkeiten bei Erneuerung 
der Obrigkeiten oder bei anderer Veranlassung, endlich 
vor Allem die ritterlichen Turniere. Nichts sagte dem 
farbenfrohen Sinne des Mittelalters mehr zu , als der 
Glanz der Waffen, das Spiel ilatternder Fahnen, der 
heitere Anblick bunter Zelte und das Getümmel des 
Heeres. Jeder Auszug, jede Heerschau war daher ein 
natürliches Fest, und die Fürsten verfehlten nicht, ihre 
sich sammelnden Vasallen mit Pracht und Freigebigkeit 
zu empfangen. Der trockenste Chronist, der strengste 
Mönch wird begeistert, wenn er solche Scene schildert. 
Auch die Turniere waren daher Volksfeste und die prun- 
kende Freigebigkeit der Ritterschaft liess sich gern von 
dem grossen Haufen bewundern. Alle grossen Mächte, 
alle Stände trugen der allgemeinen Schaulust ihren Zoll 
ab, alle betraten als Mitspielende die Bühne, und die 
Oeffentlichkeit der Feste glich gewissermaassen den 
Unterschied der Rechte und des Reichthums aus. 
So wogte denn ein farbenreiches, geräuschvolles 
Treiben auf dem dunkeln Hintergrunde kirchlicher Strenge, 
und wurde durch diesen Gegensatz nur um so bedeu- 
tungsvollen Auch das Alterthum war festliebenld, aber 
seine Feste waren mässiger, nicht mit so prunkendem 
 Viele dieser ausschweifenden Feste schlossen sich an dig 
alten Saturnalien an, und fielen daher um Weihnachten oder Neu- 
jahr. Die Kirche erlaubte etwas der Art am Tage der Beschneidung 
Christi, den sie als ein Kinderfest ansah.
        

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