Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920105
Verehrung 
der 
Frauen. 
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Ansehn. 
Die Frauen 
wirkten 
nicht 
blos 
als 
Lehrerinnen 
und Vermittlerinnen der Frömmigkeit, sondern sie gaben 
auch die unmittelbare Anschauung des Heiligen. Priester 
und Mönche waren zwar die Verwalter und Diener des 
Heiles auf Erden, aber sie sprachen es nicht an ihrer 
Erscheinung aus. Der Kampf, den sie zu kämpfen hatten, 
der Kampf mit der Sünde bei sich und bei Andern, liess 
Wunden und Schwielen zurück, wie der Kampf mit dem 
Eisen, und gab ihrem Wesen etwas Rohes oder Strenges, 
das nicht gestattete, sich in ihnen himmlische Gestalten 
zu vergegenwärtigen. Die Frauen dagegen "in ihrem 
sanften Dulden, in der Innigkeit des Gefühls und der 
stillen Ausübung christlicher Pflichten mussten zwischen 
den Iinstern Gestalten dieser kämpfenden Zeit wie höhere, 
reinere Wesen erscheinen. Bei ihnen fand der. heimge- 
kehrte, kampfesmüde Krieger wohlthätige Ruhe, sanfte 
Pflege, Worte des Trostes. Es musste ihn ein Gefühl 
ergreifen, wie in der Kirche, dass er leiser auftrat, und 
das rohe Wort zurückhielt. Wo sollte er Anschauungen 
hernehmen, um sich die Ruhe des Himmels, den sanften 
Glanz der Engel und Heiligen vorzustellen, wenn nicht 
von diesen lieblichen Gestalten? 
Es ist ausser Zweifel, dass die Bedeutung des 
Marien cul tus mit dem steigenden Ansehen der Frauen 
zunalnn. Indem man auf Erden sich gewöhnte, bei 
Frauen mehr als bei Männern Trost und Hülfe zu linden, 
musste man auch im Himmel am liebsten die weibliche 
Gestalt aufsuchen, welche gewähren konnte, was stren- 
gere Gerechtigkeit verweigern möchte. Diese Glüriß 
der himmlischen Jungfrau musste aber auch Wieder die 
Eigenschaften 
selbst zuschreibt, zeigt deutlich, wie sich aus Sßlßhell 
eine wachsende Verehrung entwickeln müsste-
        

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