Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920094
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Einfluss 
der 
Frauen. 
Aber wichtiger war der stille und bleibende Einfluss, 
welchen sie durch die bessern Eigenschaften ihres Ge- 
schlechts erlangten. In der Einsamkeit des Burglebens, 
bei der häufigen Abwesenheit des Mannes waren die 
Frauen die bleibenden Beherrscherinneii der Dienstleute. 
deren Anhänglichkeit sie nicht durch äussere Gewalt 
sondern durch milde Klugheit sich sichern mussten. Von 
Natur mitleidig und hülfreich, durch eigene körperliche 
Bedürftigkeit aufmerksam gemacht auf erleichternde, heil- 
same Mittel, sammelten sie praktische Kenntnisse, und 
verschafften sich durch Wohlthätige Wirksamkeit bei 
ihrer rathlosen, unwissenden Umgebung ein begründetes 
Ansehn. Dazu kam, dasslihr weicheres Gemüth reli- 
giöser 'l'röstung in höherem Grade bedurfte, dass sie daher 
den Geistlichen offeneres Ohr liehen und oft die Ver- 
mittlerinnen 
zwischen 
ihnen 
und 
den 
männlichen 
Glie- 
dem des Hauses wurden, dass sie auch sonst durch ihr 
ruhigeres Leben mehr Beruf hatten, die religiösen Wahr- 
heiten zu durchdenken und in sich auszubilden, dass sie 
endlich als Erzieherinnen auch in den Knaben die ersten 
frommen Gefühle erweckten, und dadurch einen bleiben- 
den Anspruch auf Dankbarbeit und Achtung erlangten. 
Wir besitzen schon aus sehr früher Zeit. Zeugnisse der 
begeisterten Anerkennung dieser weiblichen und mütter- 
lichen Wirksamkeit Ü. Bald aber steigerte sich ihr 
4') Interessant ist die Schilderung, welche der Abt Guihert von 
Nogent (geb- 1055 "i" 1124; in der Collection des mem. relatifs ä 
Phist. de France. t. IX. p. 346 und bei Guizot n. a. O. IV. 153.) 
von seiner Mutter gieht. Ihr Walten auf der ritterlichen Burg, ihre 
Schönheit, ihr tugendhafter Blick, die Ruhe ihres Benehmens, die 
Gewalt die sie dadurch auf ihre Umgebung ausübte, gehen ganz das 
Bild, welches ich oben im Texte audeute, und die Wärme mit der 
ihr Sohn dies schildert, indem er ihr den grössten Einfluss auf sich
        

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