Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920086
Einfluss 
der 
Frauen. 
Zeiten, wohl aber weil sie die befriedigendste Erschei- 
nung ihres Zeitalters darboten, und weil die Männer 
ihnen nachstanden. Sie waren frei von der pedantischen, 
trocknen Absichtlichkeit des Geistlichen, von der Leiden- 
schaftlichkeit und Gewaltsamkeit des Kriegsmannes, von 
der handwerksmässigen Plumpheit des Bürgers; ihre 
Stellung hinderte sie nicht an Entwickelung natürlicher 
Gaben. Selbst dann, wenn sie gegen die edlere Bestim- 
mung ihres Geschlechts nach Macht und Herrschaft 
strebten, hatten sie, durch feine Beobachtung männlicher 
Schwächen, durch List und die Gabe der Ueberredung, 
durch kluge Benutzung sparsam bewahrter Reichthümer, 
und endlich durch den Zauber ihrer anmnthigen Erschei- 
nung, Mittel genug, um die rohen Helden der Schlacht 
zu überwinden  Je mehr die Herrn der Welt unge- 
bildete Kriegsmänner waren, desto mehr mussten diese 
Eigenschaften wirken; "wir können dadurch die sorist 
räthselhafte Gewalt erklären, welche manche Frauen im 
frühem Mittelalter übten. 
t") Der grosse Eintluss der Frauen beginnt schon im merowin- 
gischen Hause, steigt aber besonders während der italienischen 
Unruhen seit dem Tode Karls d. Gr. und zur Zeit der sächsischen 
Kaiser. Die Ursachen und Mittel dieser Macht waren verschiedene, 
wir finden ebensowohl höchst lasterhafte, wie allgemein geachtete 
Frauen im Besitze derselben. Wenn der Bischof Luitprand diesen 
Einfluss aus den schlechtesten Motiven erklärt (lib. III. c. 2.) S0 
kann man (mit Luden VII. 484) annehmen, dass der unreine Sinn 
des Berichterstatters aus ihm spricht; aber freilich verdankte" 
Marozia und Theodora ihre Macht nicht ihren weiblichen Tugenden- 
Sehr bezeichnend ist eine Aeusserung des Agobard, Bisßilßf Von 
Lyon, über die Kaiserin Judith bei Gelegenheit der Streitigkeiten 
der Söhne Ludwig des Fronnnen. Man werde sage", Schreibt er; 
diese sei nicht: streitsüchtig, sondern sanft und schmeichelnd, (hileß 
non est litigiosa sed snavis et blanda) allein dennoch entzweie sie 
Vater und Sohn, ihre Giite sei trügerisch, ihre Schönheit eitel (fallax 
gratia et vana pulchritudo. Schlosser II. I. p. 437). 

        

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