Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920046
Der 
Anstand. 
39 
zu schwer, nichts der Ehre zu hoch. Die Phantasie 
hatte freies Spiel, und der Ritter strebte nach einem 
unerreichbaren idealen Ziele. Seine Lebensaufgabe hatte 
daher ein poetisehes Element und bedurfte der Dichtung. 
Er wurde getrieben, sich die höchsten Leistungen ritter- 
licher 'l'ugenden auszumalen um in ihnen Vorbilder für 
sein eigenes Handeln zu erlangen; er wurde versucht 
seine 'l'haten mit denen dieser dichterischen Helden zu 
vergleichen. Dies konnte dann ein neuer Antrieb zur 
Demuth werden, indem er weder in den Begebenheiten 
seines Lebens noch in seinen Leistungen etwas so Aus- 
gezeichnetes wahr-nahm, es erzeugte aber auch einen 
fälschen Reiz nach dem Ungewöhnljchen und Glänzeuden, 
und dadurch Uebermuth, Eitelkeit und 'l'h0rheit. Zugleich 
musste der Ritter-stand als eine weltliche Aristokratie 
sich auch durch äussernl Glanz auszeichnen. 
Die Beschwer- 
den des Kampfes heischtcn Erholung, die Freude des 
Sieges festliche Lust und ein unruhiges Reiterleben stei- 
gerte die Ansprüche der Sinnlichkeit. Die Ehre des 
edeln Standes musste aber auch hier bewahrt werden, es 
bedurfte bestimmter Gränzexi des Erlaubten, die ritterliche 
Kühnheit musste durch den Anstand gezügelt werden. 
Das persönliche Gefühl hatte sich auch hier den An- 
sichten der Standesgenossen zu fügen. Dies gab eine 
conventionelle Sitte, die sich um so fester und gere- 
gelter ausbildete, als sie für jugendliche, sinnlich auf- 
geregte Menschen berechnet war und den Mangel tieferer 
Bildung ersetzen sollte. 
Man sieht hieraus wie verschiedene Gestalten der 
Geist des Ritterthums hervorbringen musste. Bald finden 
Wir diese Helden bei aller Kühnheit und Kraft mit einem 
schönen Zuge der Bescheidenheit und Milderlledlichkeit
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.